Research // Forschung

*English below*

 

Polizeigewalt ist ein Thema, das weder gut erforscht, noch als wirkliches Problem von politischen Entscheidungsträger*innen anerkannt wird. Vor allem auch nicht von der Strafjustiz. Dass eine unabhängige Beschwerdestelle zur Verfolgung von Anzeigen gegen Polizist*innen unerlässlich, zeigt die absurd hohe Einstellungsrate von Verfahren gegen Beamt*innen.

Auf ihrer Website (https://vmits0151.vm.ruhr-uni-bochum.de/kviapol.rub.de/index.php/forschungsprogramm)  schreibt das Forschungsprojekt KVia-Pol der Uni Bochum dazu:

“Ausgangspunkt der Untersuchung ist der empirisch gesicherte Umstand, dass es beim Einsatz von Gewalt durch die Polizei in gewissem Umfang zu Fehlverhalten kommt. PolizeibeamtInnen wenden im Rahmen ihrer Dienstausübung tagtäglich unmittelbaren Zwang an; dabei wird die Grenze zwischen rechtmäßigem Exekutivhandeln und unverhältnismäßigem Gewalteinsatz mitunter überschritten. Seitens der Staatsanwaltschaft muss in diesen Fällen der Tatbestand der Körperverletzung im Amt geprüft werden. Die sich hiermit befassenden Verfahren weisen eine besondere justizielle Erledigungsstruktur auf. In den meisten abschließend erledigten Fällen (96 bis 97 %) erfolgt eine Einstellung, zu etwa 90 % wegen Verneinung eines hinreichenden Tatverdachts durch die Ermittlungsbehörden. Nur rund 2-3 % aller eingeleiteten Verfahren münden in einem Strafbefehlsantrag oder einer Anklage. Deliktsübergreifend liegt die Anklagequote bundesweit demgegenüber bei 27 bis 28 % – beinahe um ein Zehnfaches höher.”

 

Was sie vorhaben:

“Im März 2018 ist an der Ruhr-Universität Bochum unser DFG-gefördertes Forschungsprojekt “Körperverletzung im Amt durch Polizeibeamte” unter der Leitung von Prof. Dr. Tobias Singelnstein gestartet. Ziel ist es, empirisch fundierte Aussagen über mögliches Fehlverhalten von Polizeibediensteten bei der Gewaltausübung zu tätigen. Hierzu werden insbesondere Viktimisierungsrisiken und das Anzeigeverhalten der Betroffenen untersucht, um so das Dunkelfeld rechtswidriger Polizeigewalt zu beleuchten.

Ab dem 8. November führen wir erstmals in Deutschland eine Opferbefragung (Online-Fragebogen) zu unverhältnismäßiger Polizeigewalt durch, deren Ergebnisse anschließend durch Interviews mit Expert*innen aus verschiedenen gesellschaftlichen Bereichen ergänzt werden.

Die Beantwortung des Online-Fragebogens wird ca. 30 Minuten dauern. Der Fragebogen wird in mehreren Sprachen (Deutsch, Englisch, Französisch, Arabisch) verfügbar sein. Wir garantieren unabhängige Forschung, alle Antworten sind freiwillig und werden anonym erfasst.”

 

CopWatch Leipzig wird dieses Projekt sehr unterstützen und möchte dazu beitragen, dass Polizeigewalt erforscht und verhindert wird. Dazu zählt ein möglicher Rechtsweg für Betroffene genauso wie das Einschreiten von kritischen Beobachter*innen in der Situation.

Wir werden die Info-Flyer verteilen und alle Betroffenen ermutigen und begleiten, bei diesem Projekt mitzumachen.

Mehr Infos findet ihr unter: http://www.kviapol.rub.de/

 

 

English

 

Police violence is an issue that is neither well researched nor recognised as a real problem by political decision-makers. Especially not by criminal justice. The absurdly high recruitment rate of proceedings against police(wo)men shows that an independent complaints office is indispensable for the prosecution of complaints against police(wo)men.

The research project KVia-Pol of the University of Bochum writes about this on its website (https://vmits0151.vm.ruhr-uni-bochum.de/kviapol.rub.de/index.php/forschungsprogramm):

“The starting point of the study is the empirically proven fact that there is a certain amount of misconduct when the police use force. Police officers use direct coercion on a daily basis in the course of their duties, sometimes crossing the line between lawful executive action and disproportionate use of force. In these cases, the public prosecutor’s office has to examine the facts of the case of bodily injury. The proceedings dealing with this issue have a special judicial settlement structure. In most of the final cases (96 to 97%), the proceedings are terminated, about 90% of them because the investigating authorities deny a sufficient suspicion. Only around 2-3% of all proceedings initiated result in a criminal order or an indictment. Across all offences, on the other hand, the prosecution rate is between 27% and 28% nationwide – almost ten times higher.”
What they do:

“In March 2018, our DFG-funded research project “Personal Injury in Office by Police Officers” was launched at the Ruhr University Bochum under the direction of Prof. Dr. Tobias Singelnstein. The aim is to make empirically sound statements about possible misconduct by police officers in the exercise of violence. In particular, victimisation risks and the reporting behaviour of those affected will be investigated in order to shed light on the dark field of illegal police violence.

From 8 November, we will conduct our first victim survey (online questionnaire) on disproportionate police violence in Germany, the results of which will then be supplemented by interviews with experts from various social sectors.

Answering the online questionnaire will take about 30 minutes. The questionnaire will be available in several languages (German, English, French, Arabic). We guarantee independent research, all answers are voluntary and anonymous”.
CopWatch Leipzig will strongly support this project and would like to contribute to the research and prevention of police violence. This includes possible legal action for those affected as well as the intervention of critical observers in the situation.

We will distribute the info flyers and encourage and accompany all those affected to participate in this project.

More information can be found at: http://www.kviapol.rub.de/

 

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