Verdachtsunabhängige Kontrolle nicht gefallen lassen!

Do not put up with suspicion-independent control!

*English below*

 

Nach tiefgründiger Beschäftigung mit der neuen Verordnung der Waffenverbotszone (http://www.sachsen-gesetze.de/shop/saechsgvbl/2018/14/read_pdf) sind wir zusammen mit Anwält*innen und Expert*innen für Innenpolitik zu dem Schluss gekommen, dass durch die Verordnung gar keine verdachtsunabhängigen Personenkontrollen ermöglicht werden. Lasst euch diese nicht gefallen!

Dies vor allem, weil mit keinem Wort in der Verordnung geregelt ist, was die Polizei tun darf, um mögliche Verstöße festzustellen. Sie bekommt nicht mehr Befugnisse.

Unser Gedanke dazu war, dass über die Voraussetzung des “gefährlichen Ort”es in § 19 Absatz 1 Satz 1 Nr. 2 Sächsischen Polizeigesetz (SächsPolG) eine Identitätsfeststellung und entsprechend über § 23 Absatz 1 Nr. 4, 23 Absatz 2 SächsPolG Personen und gemäß § 24 Nr. 1 und 4 SächsPolG Sachen durchsucht werden dürfen.

Wie aus Anfragen im Landtag (https://kleineanfragen.de/sachsen/6/14914-gefaehrliche-orte-in-sachsen-iii-quartal-2018-nachfrage-zur-kleinen-anfrage-in-drs-6-11201) hervor geht, ist auch der “westliche Bereich der Eisenbahnstraße bis Hermann-Liebmann Straße” und das Rabet ein gefährlicher Ort. Die Waffenverbotszone erstreckt sich jedoch über ein 70 Fußballfelder großes Areal, dass schon per Definition kein gefährlicher ORT sein kann. Dass so grundlegende Grundrechtseingriffe über eine unveröffentlichte Lageeinschätzung der Polizei ermöglicht werden sollen, kann dem Rechtsstaatsprinzip nicht gereichen.

Wenn die Polizei euch in der Waffenverbotszone kontrollieren und durchsuchen will, dann fragt nach der Rechtsgrundlage. “Zur Einhaltung der Waffenverbotszone” oder Ähnliches zählt nicht! Dazu müsste schon konkret von euch eine Gefahr ausgehen (irgendwas Verbotenes oder Verdächtiges machen) oder sie den gefährlichen Ort noch mal nennen. Dann müsstet ihr allerdings auch dort verweilen. Wer den gefährlichen Ort offensichtlich nur durchquert (einfaches Langlaufen) darf nicht kontrolliert werden.

 

Also, lasst euch nicht einschüchtern – ihr müsst eure Identität nicht angeben. Widersprecht der Maßnahme!

Aber Vorsicht: Die Polizei ist der vollen Überzeugung, dass sie verdachtsunabhängig kontrollieren dürfen. Höchst wahrscheinlich werden sie eurer Argumentation wenig Glauben schenken. Wenn ihr eure Identität nicht angebt oder die Durchsuchung verweigert, dürft ihr auch zur Dienststelle verbracht und in Gewahrsam genommen werden (§ 19 Absatz 2 Satz 2 SächsPolG, § 22 Absatz 1 Nr. 3 SächsPolG). So eine Polizeifahrt kann allerdings auch mal ganz lustig sein und bindet Polizeikräfte 😉 Spätestens auf der Wache könnt ihr eure Identität dann angeben.

Überlegt euch am besten schon in Ruhe vorher, wie ihr in solch einer Situation handeln wollt.

In jedem Fall: Lasst euch die Dienstnummer und Dienststelle geben, schreibt das Nummernschild des Polizeiautos auf und meldet uns, was passiert ist! Wenn du möchtest, können wir auch gemeinsam gegen deine Kontrolle und die Waffenverbotszone klagen.

 

 

 

*English*

 

After a thorough examination of the new ordinance on the prohibited weapons zone, we, together with lawyers and domestic policy experts, have come to the conclusion that the ordinance does not allow any checks on persons without suspicion. Don’t put up with them!

This is particularly because the regulation does not contain a single word on what the police are allowed to do to detect violations. They didn’t get more powers.

Our thought was that over the condition of the “dangerous place” it in § 19 paragraph 1 sentence 1 No. 2 Saxon police law (SächsPolG) an identity determination and accordingly over § 23 paragraph 1 No. 4, 23 paragraph 2 SächsPolG persons and according to § 24 No. 1 and 4 SächsPolG things may be searched.

As can be seen from inquiries in the Landtag, the “western area of Eisenbahnstraße to Hermann-Liebmann Straße” and the Rabet is also a dangerous place. However, the weapons prohibition zone extends over an area of 70 football pitches, which by definition cannot be a dangerous place. The fact that such fundamental encroachments on fundamental rights are to be made possible by an unpublished assessment of the situation by the police is not sufficient for the principle of the rule of law.

If the police want to check and search you in the weapons prohibition zone, then ask for the reason. “The “observance of the weapons prohibition zone” or similar does not count! To do this, you would have to pose a danger (do something forbidden) or they have to name the dangerous place again. Then you would also have to stay there. Who obviously only passes the dangerous place may not (actually) be controlled.
So don’t be intimidated – you don’t have to state your identity. Contradict the action!

But be careful: The police are fully convinced that they are allowed to control you without any suspicion. Most likely they won’t believe your argumentation. If you do not state your identity, you may also be taken to the office and into custody (§ 19 paragraph 2 sentence 2 SächsPolG, § 22 paragraph 1 no. 3 SächsPolG). Such a police journey can be  funny and binds police forces 😉 At the latest on the police station you can indicate your identity then.

In any case: Let us give you the number of the police(wo)men, write down the number plate of the car, the office the police (wo)man works and tell us what happened! If you like, we can also file a joint complaint against your control and the weapons prohibition zone.

 

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