Wie schreibe ich ein Gedächtnisprotokoll?

ENGLISH BELOW

1. Grundsätzliches

Wir dokumentieren Vorfälle von rechtswidrigen und gewaltvollen polizeilichen Maßnahmen der sächsischen Polizei mit Schwerpunkt in Leipzig. Das betrifft insbesondere auch diskriminierende Aussagen und Kontrollen sowie sonstiges unprofessionelles, wie zum Beispiel grundlos aggressives und beleidigendes, Verhalten.

Eine Beschreibung des Vorfalls, ein sogenanntes Gedächtnisprotokoll, kannst du uns an copwatchleipzig@riseup.net schicken. Zur Orientierung findest du hier einen kleinen Leitfaden.

Am allerliebsten ist uns, wenn du uns eine verschlüsselte Mail1 schreibst, da dies deine und unsere Sicherheit enorm erhöht. Den benötigten Schlüssel dazu findest du auf unserem Blog: https://copwatchleipzig.home.blog/contact/

!!! WICHTIG !!!

Unser Anliegen ist rechtswidriges und unangebrachtes Verhalten der Polizei zu dokumentieren. Wir bewerten dieses allein und dafür ist (beinahe) unerheblich, was die betroffene Person vorher gemacht hat. Die Polizei hat zu jedem Zeitpunkt rechtmäßig und professionell zu handeln. An sie ist aufgrund ihrer Eigenschaft als Repräsentant*in des Staates und ihrer Befugnis zur Gewaltausübung ein strengerer Maßstab anzulegen als an alle anderen Menschen.

Uns interessiert zwar, was der Grund für das polizeiliche Handeln war, soweit das bekannt ist. Insbesondere ist das notwendig, um einschätzen zu können, ob eine Rechtsgrundlage vorlag und die Maßnahme verhältnismäßig war. Du brauchst dabei aber nicht genau beschreiben, oder erst recht nicht mutmaßen, welches kriminalisierte Verhalten dir oder der betroffenen Person vorgeworfen worden ist. Verzichte daher bitte darauf, strafbare Verhaltensweisen von dir oder anderen zu beschreiben, sofern dies nicht unerlässlich für den Zusammenhang der Erzählung oder für eine Einordnung ist. Das schützt dich, uns und die Betroffenen vor weiterer Repression.

2. Was zu beachten ist

Wo und wann ist es passiert?

→ Ort, am besten so genau wie möglich, und Zeitspanne

Was ist passiert?

Warst du selbst von der Maßnahme betroffen oder hast du den Vorfall nur beobachtet?

Welche Maßnahme wurde von der Polizei durchgeführt? Was war der Auslöser dafür?

Wie hat die Polizei gehandelt (z.B. Personalien festgestellt, durchsucht, eine Person mitgenommen)? Hat sie Gewalt angedroht oder angewendet?
Was erschien dir an der Maßnahme rechtswidrig oder unprofessionell? Waren andere Zeug*innen da?

Wer?

→ War ersichtlich, welche Einheit oder welche Beamt*in gehandelt hat?

Es gibt die kommunalen Polizeibehörden (Ordnungsamt), den Polizeivollzugsdienst einer Polizeidirektion (Leipzig, Dresden, Chemnitz, Zwickau, Görlitz), die Bereitschaftspolizei, das LKA, die Bundes(bereitschafts)polizei, das BKA, den Zoll (auch eine Polizei des Bundes).

Alle haben unterschiedliche Aufgaben und Befugnisse und sind für unterschiedliche Dinge zuständig. Sie tragen Abzeichen des jeweiligen Bundeslandes bzw. des Bundes auf dem Arm und die Nummer der Einheit auf dem Rücken. Bei größeren Einsatzlagen, wie Demonstrationen, sind oft auch Einheiten aus anderen Bundesländern im Einsatz.

Hoffentlich hast du gewusst, dass die Beamt*innen sich bei Durchführung der Maßnahme auf Verlangen ausweisen müssen (§ 11 SächsPVDG bzw. SächsPBG).1 Wenn du den Namen oder die Dienstnummer hast, schreibe auch die gern mit rein.

Wie?

Falls du Dokumentationsmaterial hast, kannst du dieses, wie auch dein Gedächtnisprotokoll, an unsere Freund*innen von der unabhängigen sächsischen Polizeikontrollstelle „Kooperation gegen Polizeigewalt“ schicken: https://www.kgp-sachsen.org/
Sie haben eine extra Vorrichtung für die sichere Speicherung von Fotos und Videos.

Du kannst uns in verschiedenen Sprachen schreiben.

Wir sprechen: Deutsch, Englisch, Arabisch, Französisch, Spanisch, Portugiesisch und Tschechisch.

Auf anderen Sprachen kannst du uns trotzdem schreiben, wir versuchen dann eine Übersetzung zu organisieren!

3. Was passiert mit dem Gedächtnisprotokoll?

Wir speichern dein Gedächtnisprotokoll digital sicher bei uns ab.

Eine Veröffentlichung des Vorfalles findet nur nach Absprache mit dir statt.
Möglich ist dies:

– als gemeinsames Statement mit uns auf unserem Blog

– als Augenzeug*inbericht von dir als „Gastbeitrag“ auf unserem Blog

– in Zusammenarbeit mit uns bekannten Journalist*innen in anderen Medien

– als kurze Schilderung des Vorfalles von uns auf Twitter

Grundsätzlich haben wir ein großes Vertrauen in die Berichte, die uns zugeschickt werden. Bestimmte Erfahrungssätze erlauben uns das und die Vorfälle, die uns bekannt geworden sind oder die wir selbst erlebt haben, zeigen, dass bei der Polizei so einiges Unglaubliches passiert.

Bitte verzeih uns die ein oder andere Nachfrage, weil wir sicher gehen wollen, dass wir keine unrichtigen Darstellungen verbreiten. Wir prüfen nach Plausibilität, Realkennzeichen und ggf. recherchieren wir auch weiter, um das gewährleisten zu können.

Eine Weitergabe an unsere Kooperationspartner*innen (wie zum Beispiel die KGP bei Polizeigewalt oder den RAA bei rechten & rassistischen Vorfällen durch die Polizei) findet ebenfalls nur mit deinem Einverständnis und auch nur anonym statt, wenn nicht anders abgesprochen.

How do I write a memory log?

1. basic facts

We document incidents of unlawful and violent police actions by the Saxon police with a focus on Leipzig. This concerns in particular discriminatory statements and controls as well as other unprofessional, for example groundlessly aggressive and insulting, behavior.

You can send us a description of the incident, a so-called memory protocol, to copwatchleipzig@riseup.net. For your orientation you will find a small guide here.

We prefer you to send us an encrypted mail2, because this increases your and our security enormously. You can find the required key on our blog: https://copwatchleipzig.home.blog/contact/

!!! IMPORTANT !!!

Our concern is to document illegal and inappropriate behavior of the police. We evaluate this alone and for this it is (almost) irrelevant what the person concerned has done before. The police must act lawfully and professionally at all times. They are held to a stricter standard than any other person because of their status as representatives of the state and their authority to use force.

We are interested in what the reason for the police action was, as far as this is known. In particular, this is necessary in order to assess whether there was a legal basis and whether the measure was proportionate. However, you do not need to describe exactly, even speculate, what criminalized behavior you or the person concerned was accused of. Therefore, please refrain from describing criminal behavior of yourself or others, unless this is essential for the context of the narrative or for a classification. This protects you, us and the persons concerned from further repression.

2. what to consider

Where and when did it happen?

→ Place, preferably as precise as possible, and time period.

What happened?

Were you yourself affected by the measure or did you only observe the incident?

What action was taken by the police? What was the trigger for it?

How did the police act (e.g. establish personal details, search, take away a person)? Did they threaten or use violence? What about the action seemed illegal or unprofessional to you?

Where there other witnesses?

Who?

→ Was it obvious which unit or which officer acted?

There are the municipal police authorities („Polizeibehörde“), the police enforcement service of a police directorate (Leipzig, Dresden, Chemnitz, Zwickau, Görlitz) („Polizeivollzugsdienst), the riot police („Bereitschaftspolizei“), the LKA (criminal investigation), the federal riot police, the BKA (federal criminal investigation), customs („Zoll“, also a federal police force).

All of them have different tasks and powers and are responsible for different things. They wear badges of the respective state or federal government on their arms and the number of the unit on their backs. In larger operations, such as demonstrations, units from other federal states are often on duty as well.

Hopefully you knew that the officers have to identify themselves on demand (§ 11 SächsPVDG or SächsPBG).3 If you have the name or the service number, write that in as well.

How?

If you have documentation material, you can send it, as well as your memory protocol, to our friends from the independent Saxon police control center “Cooperation against Police Violence”: https://www.kgp-sachsen.org/.

They have an extra device for safe storage of photos and videos.

You can write us in different languages.

We speak: English, German, Arabic, French, Spanish, Portuguese and Czech.

You can still write us in other languages and we will try to organize a translation!

3. What happens to the memory log?

We store your memory log digitally and securely.

A publication of the incident will only take place after consultation with you.

This is possible

– as a joint statement with us on our blog

– as an eyewitness report from you as a “guest post” on our blog

– in cooperation with journalists known to us in other media

– as a short description of the incident by us on Twitter

Basically, we have a lot of trust in the reports that are sent to us. Certain sets of experience allow us to do so, and the incidents that have come to our attention or that we have experienced ourselves show that some unbelievable things happen in the police.

Please forgive us the one or other inquiry, because we want to make sure that we do not spread any inaccurate representations. We check for plausibility, real indicators and if necessary we also do further research to be able to guarantee this.

A transfer to our cooperation partners (such as the KGP in the case of police violence or the RAA in the case of right-wing & racist incidents by the police) also takes place only with your consent and also only anonymously, unless otherwise agreed.

  1. Um dir das einzurichten gibt es unterschiedliche Möglichkeiten, zum Beispiel den Maildienst Thunderbird; https://www.thunderbird.net/de/. Das ist grundsätzlich empfehlenswert!
  2. Welche Rechte du hast und wie du Kontrollen kritisch begleiten kannst findest du hier: https://copwatchleipzig.home.blog/wie-intervenieren/ https://copwatchleipzig.home.blog/was-darf-die-polizei-was-darf-ich/
  3. There are various ways to set this up, for example the Thunderbird mail service; https://www.thunderbird.net/en/. This is generally recommended!
  4. What rights you have and how you can critically accompany controls can be found here (also English): https://copwatchleipzig.home.blog/wie-intervenieren/ https://copwatchleipzig.home.blog/was-darf-die-polizei-was-darf-ich/

Leave a Reply

Please log in using one of these methods to post your comment:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out /  Change )

Google photo

You are commenting using your Google account. Log Out /  Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out /  Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out /  Change )

Connecting to %s