Redebeiträge bei unserer Kundgebung #15MRZ 2022

English included

Folgend findet ihr alle Redebeiträge, die auf unserer Kundgebung zum Internationales Tag gegen Polizeigewalt 2022 auf dem Augustusplatz Leipzig gehalten wurden.

Below you will find all the speeches that were held at our rally for the International Day against Police Violence 2022 on Augustusplatz Leipzig.



1. Rassismus Tötet
2. Seebrücke Leipzig
3. George
4. CatcallsofLeipzig
5. Linxxnet
6. Solibündnis Antifa Ost
7. Copwatch Leipzig

1. Rassismus Tötet: berichtet über Verflechtung der Polizei mit Nazis, insbesondere bei der Ermordung von Kamal K. in Leipzig.

Danke an Copwatch Leipzig für die Kundgebung zum heutigen internationalen Tag gegen Polizeigewalt. Wir möchten in unserem Redebeitrag auf die rechten Strukturen in der Leipziger Polizei eingehen. Im Januar 2016 sagte der damalige Sprecher der Polizeidirektion Leipzig, Andreas Loepki: „Es liegt ein brauner Schatten über der Polizeidirektion Leipzig.“ Diese Aussage nahm er kurze Zeit später zurück und dennoch ist es eine sehr treffende Einordnung gewesen. Seit mehr als zehn Jahren erinnern wir an die Todesopfer rechter Gewalt in Leipzig. Mit dem rassistischen Mord durch zwei Neonazis an Kamal K. im Jahr 2010, wurden nicht nur abermals die tödlichen Folgen des Rassismus in dieser Stadt unübersehbar, sondern auch die rechten Strukturen in den Behörden.

Wir erfuhren von rassistischen Funksprüchen am Abend des Mordes und erlebten schweigende Polizist*innen vor Gericht, wenn es darum ging, etwas über die beiden Mörder zu erfahren. Die Cops hatten schlicht keine „Erinnerungen“ an die unzähligen Neonazi- Tätowierungen oder die getragenen rechten Kleidermarken, die die beiden Täter trugen. Dabei war es egal, ob Polizist*innen der Bereitschaftspolizei, des Staatsschutzes oder von der Kriminalpolizei vor Gericht befragt wurden. Schlimmer noch: Einer der beiden Täter ist der Sohn eines Leipziger Polizisten. Dieser Polizist sympathisierte auch privat mit Neonazis und rechten Strukturen. Diese familiäre Beziehung des einen Täters beeinflusste auf vielen Ebenen die Ermittlungen: So nicht nur bei der wohl kürzesten Hausdurchsuchung beim Polizistensohn in dieser Stadt überhaupt, sondern auch bei der Kontrolle und Überwachung der Familie von Kamal. Diese galt es aus Sicht der Behörden besonders im Auge zu behalten, da angebliche „Racheaktionen“ gegen die beiden rechten Täter und deren Umfeld unterstellt wurden. Während alle Verfehlungen der Ermittlungsbehörden beim Prozess am Landgericht vom Anwalt der Familie von Kamal aufgedeckt wurden, jedoch keinerlei Folgen für irgendjemanden hatte, blieb der Repressionsdruck auf die Familie weiter bestehen. Ein emotionaler Redebeitrag von Angehörigen auf einer der Demonstrationen in Gedenken an Kamal und alle Todesopfer rechter Gewalt brachte ein Verfahren wegen angeblicher „Volksverhetzung“ ein. Und die Repression wirkte: Es war das letzte Mal, dass sich Angehörige auf einer Versammlung äußerten.

2015 veröffentlichten Antifaschist*innen auf linksunten.indymedia.org Hintergrundinformationen zur engen Verknüpfung eines Leipziger Bereitschaftspolizisten zu einem stadtbekannten Neonazi. Die Folge war nicht der Rauswurf dieses Polizisten, sondern seine Versetzung in die Polizeischule zur Ausbildung kommender Generationen von sächsischen Polizist*innen. In dem Beitrag wurde noch über einen weiteren Leipziger Polizisten berichtet, jener kommentierte ein Bild von seinem Neffen und dessen Tochter mit: “Fein fein deutscher vater deutsches kind 88”. Dieser Polizist selbst bestellte im Internetshop der Neonazimarke “Thor Steinar” und trägt diese Kleidung mitunter während der Arbeit, berichteten die Autor*innen auf linksunten. Der erwähnte Neffe ist kein Unbekannter, er ist Mitglied der Leipziger Neonaziband “Volksnah”.

Wie bereits erwähnt war der Beitrag von 2015, aber in den vergangenen Jahren sind noch einige „Skandale“ in Leipzig und Sachsen hinzu gekommen. In der überwiegenden Mehrheit hatte dies keine Folgen für diese Polizist*innen. Sie sind weiter im Dienst, „ermitteln“, bauen ihre Netzwerke aus und sind mit der Ausbildung weiterer Cops in der Stadt und im Freistaat betraut. Rassismus und Gewalt sind die logischen Konsequenzen. Außerdem Neonazis, die sich als unantastbar begreifen, weil sie keine Konsequenzen fürchten müssen und weitere rechte Taten und Morde begehen.

Für den einen Täter des Mordes an Kamal, den Polizistensohn, hat sich das Familienverhältnis mehr als gelohnt. So wenig überraschend die immer wieder aufgedeckten Verhältnisse zwischen Polizei und rechten Strukturen sind, so wütender macht uns die gesellschaftliche Gleichgültigkeit und das Desinteresse über diese Verhältnisse. Wir hoffen das wenigstens ihr heute Anwesenden diese nie vergesst.

Rechte Strukturen bekämpfen, ob jene die eine Uniform, eine Robe, Thor Steinar oder Yakuza tragen.

English

Thank you to Copwatch Leipzig for the rally on this international day against police violence. In our speech, we would like to address the right-wing structures in the police of Leipzig. In January 2016, the then spokesman for the Leipzig police department, Andreas Loepki, said: “There is a brown shadow over the Leipzig police department.” A little later he took this statement back, and yet it has been a very appropriate description. For more than ten years, we have been commemorating the victims of right-wing violence in Leipzig. With the racist murder of Kamal K. by two neo-Nazis in 2010, the deadly consequences of racism in this city became obvious once again. And even further the right-wing structures in the authorities were shown.

We learned of racist radio calls on the evening of the murder and experienced the silence of the officers in court, where they should have said something about the two murderers. The cops simply had no “memories” of the countless neo-Nazi tattoos or the right-wing clothing brands which the two perpetrators wore. It did not matter whether it was officers of the riot police, the state security or the criminal police were questioned in court. Even worse: One of the two perpetrators is the son of a Leipzig police officer. This policeman also sympathized privately with neo-Nazis and right-wing structures. This family relationship of one of the perpetrators influenced the investigation on many levels: not only was the policeman’s son exposed to the probably shortest house search ever in this city, but Kamal’s family was also controlled and surveyed. From the authority’s point of view, this family had to be kept under special observation, as supposed “revenge actions” against the two right-wing perpetrators and their environment were to be expected. While the investigating authority’s misconduct was revealed by the lawyer of Kamal’s family at regional court, but had no consequences for anyone, the pressure of repressions on the family continued. An emotional speech by relatives at one of the demonstrations in memory of Kamal and all the victims of right-wing violence led to proceedings for alleged “Volksverhetzung” [“incitement of the people”]. And the repression worked: It was the last time that relatives spoke at a rally.

In 2015, antifascists published background information about the close ties between a Leipzig riot police officer and a well-known neo-Nazi on linksunten.indymedia.org. The consequence was not the expulsion of this police officer, but his transfer to the police school for the training of future generations of Saxon police officers. The article also reported on another Leipzig police officer who commented on a picture of his nephew and his daughter with: “Fein fein deutscher vater deutsches Kind 88”. [„Well well german father german child 88“; 88 is a code for HH (Heil Hitler) and a common neo-Nazi code] This policeman himself ordered from the internet store of the neo-Nazi brand “Thor Steinar” and sometimes wears this clothing while on duty, the authors reported on linksunten. The mentioned nephew is not unknown, he is a member of the Leipzig neo-Nazi band “Volksnah”.

As already mentioned, the report was from 2015, but in recent years, some more “scandals” have been added in Leipzig and Saxony. In the vast majority, this had no consequences for officers. They are still on duty, “investigating”, expanding their networks and are entrusted with training more cops in the city and in the Free State of Saxony. Racism and violence are the logical consequences. In addition, neo-Nazis see themselves as invincible to consequences and commit further right-wing acts and murders.

For the one perpetrator of the murder of Kamal, the policeman’s son, the family relationship has more than paid off. As unsurprising as the repeatedly uncovered relationships between the police and right-wing structures are, the social indifference and disinterest about these relationships makes us even angrier. We hope that at least you, who are present today, will never forget them.

Fight right-wing structures, regardless if they wear a uniform, a robe, Thor Steinar or Yakuza.

2. Seebrücke Leipzig spricht zu systematischer Gewalt der Polizei & Frontex durch das europäische rassistische Abschottungsregime.

Klar ist: Die schockierende Gewalt in Polizeigewarsam ist eingebettet in ein rassistisches gewaltvolles System.
Klar ist: Es sind nie Einzelfälle. Das Sterben von Qosay, Oury, Silvan, Omar, Abdul, Kamal Ibrahim, Elias und Giorgos sind traurige Beweise für diese Realität.
Klar ist auch: Das ist nur die Spitze des Eisbergs. Und trotzdem müssen wir immer wieder auf die Straße gehen. Unsere Wut, die Trauer sichtbar machen. Forderungen stellen.
Klar ist: Das System der Unterdrückung geht weit über die würdelose Realität der Haftanstalten und ekelhafte Polizeipraktiken hinaus. Letztendlich sind es hegemoniale Machtvorstellungen, die manche Menschen als mehr und manche als weniger wertvoll anerkennt. Festgeschrieben in Gesetzen, manifestiert in EU-Grenzen und den Ressentiments der Gesamtgesellschaft! Darunter leiden Migrat:innen, illegalisierte Menschen, Menschen mit unsicherem Aufenthaltsstatus und Menschen, die aufgrund ihres Aussehens migrantisiert und rassisfiziert werden. All das hat System. Dazu gehören die beschissenen Bedingungen in Lager-ähnlichen Erstaufnahmeeinrichtungen und Gemeinschaftsunterkünften, in denen Menschen entrechtet und marginalisiert werden. In denen es verschimmeltes Brot und verfassungswidrige Hausordnungen gibt. In denen Menschen symbolisch und mit Absicht einen der untersten Plätze unserer Gesellschaft zuordnet bekommen. Zu diesem System gehören Abschiebeknäste im generellen und die Folter und Entrechtung dort imspezifischen. Abschiebung als Instrument der Sortierung nach neoliberalen Verwertungsideologien sowieso.

Dazu gehört die Kriminalisierung von Flucht. Von Seenotrettung. Das Inkaufnehmenvon psychischen und physischen Narben, von Krankheit und Gewalt, die durch die Militarisierung der Außengrenzen entsteht. Ich will an dieser Stelle keine Zahlen von Toten im Mittelmeer nennen, nicht von der Menge der menschenfeindlichen und illegalen Pushbacks an allen EU-Außengrenzenberichten. Jedes Leid, jeder Tod, jegliche Form Gewalt ist zu viel und zeugt von diesem rassistischen System.
Zu diesem System gehört die EU-Grenzschutzagentur FRONTEX, die immer weiter aufgerüstet wird. Natürlich auch von unserer doch so großartigen Ampelkoalition. Die Innenministerin Faeser versprach im Februar noch die weitere Aufrüstung und Unterstützung von FRONTEX, die bewiesenermaßen anrechtswidrigen Push-Backs an den Außengrenzen der europäischen Länder durchführt. Dazu stehenihnen mittlerweile 5.6 Billionen Euro zur Verfügung und bald eine eigene militärische Einheit mit 10.000 Soldat:innen. Genau wie bei den Toten in deutschen Haftanstalten gehört Intransparenz und das Einstellen von Untersuchung auch zu FRONTEXs Taktiken. Transparenz ist nicht gerade die Stärke dieser Behörden. Es wir Verantwortung abgelehnt und geleugnet. Es werden wenige bis keine wirklichen Konsequenzen gezogen! Es reicht nicht, einfach ein paar Verantwortliche auszutauschen. Wir fordern Abolish FRONTEX! Abolish the Police! Wir müssen uns wehren und immer wieder dieses widerliche System sichtbar machen! Wir müssen uns gegen die überall propagandierten menschenfeindlichen Ideologien wehren. Gegen die Sortierung von Leben anhand rassistischer und kapitalistischer Logiken! Gegen Grenzgewalt und die strukturelle Gewalt der Polizei. Für das Gute Leben für alle! Für offene Grenzen und die Abschaffung von Nationalstaaten sowieso! Abolish the Police!

English

It is clear: The shocking violence in police custody is embedded in a racist and violent system.
It is clear: None of these cases are isolated cases. The deaths of Qosay, Oury, Silvan, Omar, Abdul, Kamal Ibrahim, Elias and Giorgos are sad evidence of this reality.
It is also clear: This is only the tip of the iceberg. And yet, we must take to the streets again and again. We must make our anger and our grief visible. We must make demands.
It is clear: the system of oppression goes far beyond the reality of detention centers, which exclude all dignity, and beyond disgusting police practices.

Ultimately, hegemonic ideas of power are what cause some people to be considered more valuable and others less. These ideas are codified in laws, they become manifest at the EU borders and in the underlying resentments of our whole society! The ones who suffer are migrants, illegalized people, people with uncertain residence status and people who are labelled as migrants or racialized because of their appearance. All this is systemic. This system includes the shitty conditions in camp-like first-reception centers and in communal community shelters, where people are marginalized and where their rights are taken away. Where the bread is moldy and the house rules violate constitutional rights. This is where people are symbolically and intentionally put into one of the lowest places in our society.

This system includes deportation prisons and within them specifically the torture and the violation of rights. Deportations as instrumental to sorting people according to the neoliberal ideology of exploitation. This includes the criminalization of flight. The criminalization of sea rescue. It includes the tacit acceptance of the psychological and physical scars, of the illness and violence caused by the militarization of external borders. I do not even want to mention death toll in the Mediterranean Sea here. I do not want to report on the amount of inhumane and illegal pushbacks at all EU external borders. Every suffering, every death, every form of violence is too much and testament to this racist system.

Part of this system is the EU border protection agency FRONTEX, which is being upgraded more and more. Of course, the new oh-so-great German coalition continues the practice. The Minister of the Interior Faeser promised in February to further arm and support FRONTEX, which has benn proven to be involved in illegal pushbacks at the external borders of European countries. They will be given 5.6 trillion Euros and soon an own military unit with 10,000 soldiers.

Just analogous to the deaths in German prisons, intransparency and the interruption of investigations are also part of FRONTEX’s tactics. Transparency doesn‘t mean a lot to these authorities. Responsibility is rejected and denied. There are only few to no real consequences! It is not enough to simply exchange a few responsible persons.

We demand: Abolish FRONTEX! Abolish the Police!

We must defend ourselves and make this disgusting system visible again and again!
We must defend ourselves against the misanthropic ideologies propagated everywhere.
We are against the sorting of lives based on racist and capitalist logics!
We are against border violence and the structural violence of the police.

For the Good Life for all! For open borders and the abolition of nation states anyway! Abolish the Police!

3. George, der selbst schwerste Verletzungen in einer EAE in der Nähe von Leipzig erlebt hat, spricht zu Polizeigewalt in Asylunterkünften .

Hintergründe: https://www.l-iz.de/leben/gesellschaft/2021/08/auf-kruecken-nach-leipzig-ein-gefluechteter-leidet-unter-den-folgen-eines-polizeieinsatzes-405692

English (Original)

Hello ladies and gentlemen,

So 2019 the police they came into our, the house where I was living. So there was full outside. I think I later come up from the step. I don’t know what is happening in the house. So I saw one on the ground. He was put his hand on his waist and he scream out that second. So I was scared. What is happening? So I called it. Calling they start to see me inside the campyard. And they process. Then sqeeze me down and shut me down. Then my hand back put handcuff. I found out my leg was broken totally. So they have to take me to the hospital and make surgery. They make the surgery. It was not okay. My leg was smelling. Drinking not water. They have to take me to another hospital. They make surgery again. They have to tell me there is hole inside. They have to transfer me to another hospital for surgery again. The other hospital they make surgery. They told me they have to cut the flesh from the other leg to replace. I told them to do it, so they did it. So it was not okay, they did another one again. It was not okay, they did another one again. So before then […] me, I came back home.

2021 I was still feeling pain. I have to did another surgery again. So they told me, I have to come back the next six weeks. They make another operation to cut the bone from my waist. There the bone is short, they have to cut bone from my waist and put there. So they did it again. And I’m facing pain all over my ears. Noise. I’m facing noise. And my stomach. I’m taking medication for three years now. The pain is too much for me.

So, I know what we refugee are facing is too much. And they track people, chase people. Anyway the police chase people. If you talk they beat you. You don’t have to say anything then they beat you up and restlessly.They treat everybody what I’m seeing on screen on facebook is what I see here live. So I was, I was like shocked – What is this? So they treat, they beat everybody. So it was something shock to me. I have never seen this kind of thing before. So my experience what I am facing it was too much and the other people. It was too much. Everybody seeing different kind of things. No rest of mind. If you talk they beat you up and squeeze you and kick you up. So you don’t have anything to say. So the refugees they are facing beatings and the violence. They beat everybody messed up. Nobody will talk. If you talk, they arrest you. You can not do anything. So the police violence is too much. It was very crazy and everybody was starting: What is this? What is this? So if you are Black inside you are going to face the beat most. The Black, they will treat the Black very stronger than the other color. It goes, when they see your color, even the color they see Black ,you are going to face the more beat. They treat the Black the most beat more than the other color. So I told one.

I want to say also, I can not to do anything now. I can not walk. I see up on 27th surgery to have done before. I’m still feeling pain on the legs. I have to go for another surgery again, for them to remove one screw inside. They said that one screw is touching the flesh. They are check it for two places. Screenshot. One screw inside touching the flesh. So there are many screw inside so one is touching the flesh. I have to go for another surgery. This is very much. To remove that very screw I have to go for another surgery again and making it surgery. So they should please take care of me. I did it told one. That they should please take care of me. I can not help myself now, they should please take care of me. And I did it told one.

I want to say, what we refugee are facing is very much. Beats. So the violence is too much. What people are facing. Everybody running […]. Everybody told different kind of things. And I see it with my two eyes. So please I beg they should take care of me . That I did it told one. I want to say, also what happened to me. I can not walk without crutches. I’m still draging myself now with crutches inside the house. I can not go to supermarket. I can not walk where. I just try to help myself. So please they should try and take care of me. Thank you very much. Thank you very much.

Deutsch

Hallo Ladies und Gentlemen,

Also 2019 kam die Polizei in unser, das Haus, in dem ich wohnte. Also es war voll draußen [mit Polizei]. Ich glaube, ich bin später von der Treppe hochgekommen. Ich weiß nicht, was in dem Haus passiert ist. Ich sah also einen auf dem Boden. Seine Hände wurden auf seine Hüfte gedrückt und er schrie in dieser Sekunde auf. Also hatte ich Angst. Was ist da los? Also habe ich das laut gerufen. Ich rief und sie sahen mich dann auf dem Hof des Lagers. Und sie kamen näher. Dann drückten sie mich nieder und hielten mich fest. Dann haben sie mir Handschellen angelegt. Ich fand heraus, dass mein Bein komplett gebrochen war. Also musste man mich ins Krankenhaus bringen und operieren. Sie machen die Operation. Es war nicht in Ordnung. Mein Bein hat gestunken. Ich habe kein Wasser getrunken. Sie mussten mich in ein anderes Krankenhaus bringen. Sie operieren wieder. Sie müssen mir sagen, dass da ein Loch drin ist. Sie müssen mich in ein anderes Krankenhaus verlegen, um mich erneut zu operieren. Im anderen Krankenhaus wurde ich operiert. Sie sagten mir, sie müssten das Fleisch vom anderen Bein abschneiden, um es zu ersetzen. Ich habe ihnen gesagt, dass sie das tun sollen, und sie haben es getan. Es war immer noch nicht in Ordnung, sie machten noch eine Operation. Es war nicht in Ordnung, also machten sie noch eine. Bis ich dann wieder nach Hause kam.

2021 hatte ich immer noch Schmerzen. Ich musste noch einmal operiert werden. Also sagten sie mir, ich müsse in den nächsten sechs Wochen wiederkommen. Sie machen eine weitere Operation, um den Knochen aus meiner Hüfte zu schneiden. Da der Knochen zu kurz ist, müssen sie den Knochen aus meiner Hüfte herausschneiden und dort einsetzen. Also haben sie es gemacht. Und ich habe Schmerzen in den Ohren. Lärm. Ich habe mit Lärm zu kämpfen. Und mein Magen. Ich nehme jetzt seit drei Jahren Medikamente. Die Schmerzen sind zu viel für mich.

Ich weiß also, dass das, was wir Flüchtlinge durchmachen, zu viel ist. Und sie verfolgen Menschen, jagen Menschen. Die Polizei jagt die Leute einfach so. Wenn du was sagst, schlagen sie dich. Sie behandeln die Leute so, wie ich es auf dem Bildschirm auf Facebook sehe und so sehe ich es hier live. Also ich war schockiert – Was ist das? Sie behandeln, sie schlagen jeden. Es war also ein Schock für mich. Ich habe so etwas noch nie gesehen. Meine Erfahrungen, die ich gemacht habe, waren zu viel, und für die anderen Leute auch. Es war zu viel. Jeder hat andere Dinge gesehen. Keine Ruhe für den Geist. Wenn du redest, schlagen sie dich zusammen, drücken dich nieder und treten dich. Man hat also nichts zu sagen. Die Flüchtlinge sind also Schlägen und Gewalt ausgesetzt. Sie verprügeln jeden, der etwas sagt. Niemand wird etwas sagen. Wenn du etwas sagst, verhaften sie dich. Du kannst nichts tun. Die Polizeigewalt ist also zu viel. Es war total verrückt und alle haben angefangen: Was ist das? Was ist das hier? Wenn du also ein Schwarzer bist, wirst du am meisten verprügelt. Schwarze werden sehr viel härter behandelt als Menschen mit anderen Hautfarben. Wenn sie deine Farbe sehen, in dem Moment in dem sie Schwarz sehen, wirst du am meisten geschlagen. Sie behandeln die Schwarzen viel brutaler als die anderen Farben. So habe ich es einem gesagt.

Ich will auch sagen, dass ich jetzt nichts mehr tun kann. Ich kann nicht laufen. Ich warte auf den 27., auf eine Operation, die nochmal gemacht wird. Ich habe immer noch Schmerzen in den Beinen. Ich muss noch einmal operiert werden, damit sie eine Schraube im Inneren entfernen. Sie sagten, dass eine Schraube das Fleisch berührt. Sie überprüfen das an zwei Stellen. Screenshot. Eine Schraube im Inneren berührt das Fleisch. Es gibt also viele Schrauben im Inneren und eine berührt das Fleisch. Ich muss mich einer weiteren Operation unterziehen. Das ist sehr viel. Um genau diese Schraube zu entfernen, muss ich noch einmal operiert werden, um sie zu berichtigen. Also sie sollen sich bitte um mich kümmern. So habe ich es einem gesagt. Dass sie sich bitte um mich kümmern sollen. Ich kann mir nicht mehr helfen, sie sollen sich bitte um mich kümmern. Und so habe ich es einem gesagt.

Ich möchte sagen, dass das, was wir Flüchtlinge durchmachen, sehr viel ist. Schläge. Also die Gewalt ist zu viel. Womit die Leute konfrontiert sind. Alle rennen […]. Jeder hat andere Dinge erzählt. Und ich sehe es selbst mit meinen beiden Augen. Also bitte, ich bitte Sie, sich um mich zu kümmern. So habe ich es einem gesagt. Ich möchte auch erzählen, was mit mir passiert ist. Ich kann nicht mehr ohne Krücken laufen. Ich schleppe mich jetzt noch mit Krücken durch das Haus. Ich kann nicht in den Supermarkt gehen. Ich kann nirgendwo hingehen. Ich versuche nur, mir selbst zu helfen. Also bitte, sie sollen versuchen, sich um mich zu kümmern. Ich danke euch. Ich danke euch vielmals.

4. CatcallsofLeipzig stellt ihre Forderungen an die Stadt Leipzig vor, in dem sie Schutz ohne Polizei für FLINTA* fordern.


Wir bilden eine der Ortsgruppen der internationalen Organisation Chalkback. Unsere
Arbeit besteht darin, Erfahrungen (von unter anderem sexueller Belästigung und
oder Gewalt) zu sammeln, mit Kreide an den Ort des Geschehens zu schreiben und
anschließend auf unserem Instagram Account (@catcallsofLpz) zu veröffentlichen.
Die Hauptziele des “Ankreidens” sind für uns, die Öffentlichkeit auf das Ausmaß der
Problematik aufmerksam zu machen und Betroffenen ein Gefühl der
Selbstermächtigung zurückzugeben.
Wir möchten zu Beginn dieser Rede gerne mit einer Erfahrung einsteigen die wir als
Gruppe kürzlich mit der Polizei gemacht haben. Dabei sind wir uns jedoch bewusst,
dass die Palette an Gewaltbereitschaft die von der Polizei ausgeht sehr groß ist und
unsere Erfahrung nicht in Vergleich zu setzen ist, mit den Erlebnissen Derjenigen,
deren Leben durch Polizeigewalt bedroht ist und die in Polizeigewahrsam gestorben
sind.
Zum Abschluss der feministischen Streikwoche veranstalteten wir am letzten Freitag
ein Ankreide Event. Dort waren wir mit einem unangemessenen Verhalten durch die
Polizei konfrontiert. Auf einem feministischen Event mussten wir uns von einem von
uns männlich gelesenen Polizisten in aller Ausführlichkeit und Überheblichkeit
erklären lassen, wie wir unser Auto zu starten hätten.
Außerdem wurde uns aufgrund unserer gelesenen Geschlechter, Schwäche,
Unwissenheit und ein geringes Durchhaltevermögen unterstellt. Zitat: “Euer
Enthusiasmus in allen Ehren, aber ihr müsst erst wissen wie es geht.”
Später er pfiff uns zurück wie Hunde. Dieses Zitat haben wir im Anschluss am Ort
des Geschehens angekreidet und heute auf Instagram veröffentlicht.
In den Einsendungen die uns tagtäglich erreichen, ist die Polizei bereits als Täter
und als Mittäter eines Übergriffs aufgetreten. Die Polizei hat sich durch das
Wegsehen, durch Slutshaming, durch fehlende Solidarität schuldig gemacht. Die
Polizei verkörpert für viele betroffene FLINTA* die sich an uns wenden, keineInstitution, die ihnen Sicherheit verspricht! Sie verkörpert ein Monopol der Gewalt!
Sie repräsentiert eine rassistische, antisemitische, sexistische, trans- und
queerfeindliche Gesellschaft!
Weil insbesondere mehrfach-diskriminierte FLINTA* nicht damit rechnen können von
der Institution der Polizei Schutz zu erfahren, wenden wir uns mit alternativen
Forderungen, die mehr Schutz generieren sollen, in einem offenen Brief direkt an die
Stadt Leipzig.
Diesen haben wir letzte Woche an Frau Lapön und Frau Darlatt vom
Gleichstellungsrat der Stadt, an die Leipziger Verkehrsbetriebe und an den
Oberbürgermeister Herr Burkhard versendet.
Mit dieser Rede fordern wir erneut mehr Maßnahmen zur Sicherheit für FLINTA* im
öffentlichen Raum. Und wollen noch einmal laut für diese einstehen!
Viele von uns müssen, bevor wir überhaupt losfahren, schon den Rückweg planen:
Freundinnen anfragen, ob sie erreichbar sind, vielleicht doch lieber wieder gehen, wenn es noch hell ist, einen Umweg einplanen, weil der direkte Weg so spärlich beleuchtet ist – oder vielleicht doch lieber zu Hause bleiben? Überlegen, ob sich ein Taxi geleistet werden kann oder ob wir in der Dunkelheit das Risiko eingehen können bei einem Mann ins Auto zu steigen? Wenn wir uns schließlich doch allein im Dunkeln auf den Weg machen, wechseln wir oft die Straßenseite. Wenn eine Gruppe auf uns zukommt, haben wir durchgehend den Schlüssel in der Hand und wenn niemand erreichbar ist, hören wir nur mit einem Kopfhörer Musik, um möglichst von nichts überrascht zu werden. Jede kennt die Nachfrage unser Freundinnen: “Bist du sicher daheim angekommen?”.
Das sind nur einige von vielen Eindrücken, die für eine Vielzahl von Menschen
bittere Realität sind. Es ist nicht in Ordnung, dass sich viele von uns so fühlen und
es gibt leicht umsetzbare und wirksame Maßnahmen, ohne polizeiliche Beteiligung,
die uns in unserer Sicherheit unterstützen.Auf Grundlage der Häufung von Belästigung auf (Heim-)Wegen fordern wir
Maßnahmen zur Gewährleistung der öffentlichen Sicherheit für FLINTA: (FLINTA=
steht für Frauen, Lesben, inter-, nicht-binär, trans* und agender Personen).

Wir fordern

  • den Ausbau der Beleuchtung von öffentlichen Straßen und Wegen. Vor allem
    in städtischen Grünanlagen und Parks sollten zusätzliche Laternen aufgestellt werden!
  • Auch für alle Busse und Bahnen der Stadt Leipzig fordern wir mehr Sicherheit
    und Achtsamkeit. Es muss, eine gezielte Schulung des Bahnpersonals
    durchgeführt werden. Sowohl im Umgang mit Täterinnen als auch im Umgang mit Opfern (sexualisierter) Gewalt. FLINTA müssen sich sicher sein können, Hilfe zu erhalten, wenn sie sich an das Personal des ÖPNV wenden!
  • FLINTA* müssen eine schnelle, leicht zugängliche Möglichkeit haben Hilfe
    und Unterstützung zu erhalten. Deshalb fordern wir eine stärkere Präsenz von
    Initiativen und Servicestellen wie dem Heimwegtelefon in allen Bus- und
    Bahnlinien in Leipzig, aber gleichzeitig auch die Bereitstellung von
    Werbeflächen der Stadt für eben diese und ähnliche Anlaufstellen an
    verschiedensten Orten.

    Unsere Hauptforderung bleibt die Bereitstellung und Förderung eines
    FLINTA-Taxis in Leipzig. Umsetzungen dieses Modells sind bereits in anderen Städten Deutschlands (z.B. Heidelberg und Mannheim) zu finden. Sie funktionieren dort über den Einkauf von vergünstigten Fahrkarten für ca. 6 Euro für eine Fahrt. Um die FLINTA Taxis auch in Leipzig für möglichst viele Personen
    nutzbar zu gestalten, ist es notwendig, dass Fahrten finanziell von der Stadt
    bezuschusst werden.
    Wichtig bleibt, dass nicht weiter Ungleichheitsverhältnisse reproduziert werden
    und das FLINTA* sicher und schnell nach Hause kommen.
    Damit das FLINTA-Taxi aber auch für alle FLINTA einen Ausweg aus der prekären
    Situation bietet, sind an diese Forderung weitere Forderungen geknüpft.

    1. Wir halten es für notwendig, dass auch die Fahrerinnen der Taxis FLINTA-Personen sind, da diese statistisch eine entscheidend geringere Gefahr
    darstellen.

2. Kann das Taxi nur dann einen Schutzraum gewährleisten, wenn auf eine
Ausweiskontrolle oder das Ablesen des Geschlechts durch die Fahrerinnen verzichtet wird. Trans-, inter, nicht-binäre und agender Personen, dürfen weder exkludiert noch gezwungen werden, ihre Geschlechtsidentität zu rechtfertigen. Das FLINTA-Taxi darf keinesfalls Nährboden weiterer Diskriminierungserfahrungen
und/oder Übergriffe werden.

Unsere Forderungen zeigen ganz klar: Um gesellschaftliche Probleme zu lösen ist
die Polizei häufig keine Lösung. Wir bevorzugen es, auf stadtplanerischen, sozialen
Ausbau statt auf Repression zurückzugreifen.
Vergangene Ereignisse zeigen, dass es für marginalisierte Gruppen, wie
beispielsweise LGBTQIA+ und/oder BIPoC, keine Option ist, sich auf die Polizei zu
verlassen. Somit ist sie keine Anlaufstelle, die “Sicherheit” für alle gewährleistet, sondern
eine, die das Alltagsleben der an den Rand der Gesellschaft Gedrängten gewaltvoll
kontrolliert.
Sie steht für die Aufrechterhaltung der bestehenden Strukturen, die geprägt sind von
rassistischen, unterdrückenden Mechanismen, und damit gesamte
Personengruppen kriminalisieren. Das zeigt sich in Form von Abschiebungen, Racial
Profiling und anlasslosen Identitätskontrollen.
Im Umgang der Polizei mit BIPoCs (Black, Indigenous, People of Color),
wohnungslosen Menschen, Sexarbeiter:innen, Antifaschist:innen,
Umweltaktivist:innen, be_hinderten Menschen und Menschen in psychischen Krisen.
Wir solidarisieren uns mit allen von polizeilicher Repression betroffenen
Aktivistinnen, Personengruppen und Einzelpersonen.Wir fordern ein Ende jeglicher Polizeigewalt! Wir fordern mehr soziale und solidarische Lösungen, die die Sicherheit Aller
bedeuten. Gesamtgesellschaftliche Lösungen ohne den Einsatz von Polizei!
Wir möchten unsere Rede nicht mit der berechtigten Wut gegen die Polizei
schließen, sondern mit Gedenken an diejenigen die tagtäglich unter ihrer Gewalt zu
leiden haben. In Gedenken an all diejenigen, die ihr zum Opfer gefallen sind.
Wir vergessen euch nicht!

English

We are one of the local groups of the international organisation Chalk Back. We write stories of harassment word-for-word in the spots where they happened alongside the hashtag #stopstreetharassment using sidewalk chalk and then post on social media to spur dialogue and story sharing. (@catcallsofLpz). The main goals of “chalking” for us are to make the public aware of the extent of the problem and to give back a sense of self-empowerment to those affected.

We would like to start this speech with an experience we had with the police recently. However, we are aware that the range of violence from the police is very wide, and our experience cannot be compared to the experiences of those whose life’s are threatened by police violence and who have died in police custody.

At the end of the feminist strike week, we held a Chalk Back event last Friday. There we were confronted with inappropriate behaviour by the police. At a feminist event, we had to have a male police officer explain to us in detail and arrogance how to start our car.

In addition, because of our read gender, we were accused of weakness, ignorance, and low stamina. Quote: “Your enthusiasm in all honour, but you have to know how to do it first.” Later he whistled us back like dogs. We chalked up this quote afterwards at the scene and posted it on Instagram today.

In the submissions we receive every day, the police have already been found to be perpetrators and accessories to assault. The police have been guilty of looking the other way, of slutshaming, of lacking solidarity. For many affected FLINTA* who turn to us, the police do not embody an institution that promises them safety! They represent a monopoly of violence! It represents a racist, anti-Semitic, sexist, trans- and queer-hostile society!

Because FLINTA* who are subject to multiple discrimination, cannot count on protection from the institution of the police, we have addressed an open letter directly to the council of Leipzig with alternative demands that should generate more protection.

Last week we sent this letter to Ms Lapön and Ms Darlatt from the city’s Equal Opportunities Council to the Leipzig public transport company and to the mayor Mr Burkhard.

With this speech we again demand more measures for FLINTA* safety in public spaces. And want to stand up loudly for them once again!

Many of us must plan our way back before we even leave: ask friends if they can be reached, maybe we’d better leave when it’s still light, plan a diversion because the direct route is so poorly lit – or maybe we’d rather stay at home? Considering whether we can afford a taxi or whether we can take the risk of getting into a car with a man in the dark?

When we finally do set off alone in the dark, we often change sides of the road. If a group is coming towards us, we always have the key in our hand and if no one is available, we only listen to music with one of the headphones so as not to be surprised by anything. Everyone knows the question our friends ask us: “Have you arrived home safely?

These are just a few of many impressions that are bitter reality for a large number of people. It is not okay that many of us feel this way and there are easily implementable and effective measures, without police involvement, that can help keep us safe.

Based on the accumulation of harassment on (home) routes, we demand measures to ensure public safety for FLINTA*: (FLINTA*= stands for women, lesbians, inter-, non-binary, trans* and agender persons).

We demand:

  • the expansion of lighting on public streets and paths. Especially in urban green spaces and parks additional lanterns should be installed!
  • We also demand more safety and attentiveness for all buses and trains in the city of Leipzig. Train staff must be given specific training. Both in dealing with perpetrators and in dealing with victims of (sexualised) violence. FLINTA* must be sure that they will receive help if they contact the public transport staff!
  • FLINTA* must have a fast, easily accessible possibility to get help and support. That is why we demand a stronger presence of initiatives and service points such as the Heimwegtelefon on all bus and train lines in Leipzig, but at the same time also the provision of advertising space by the city for just these and similar contact points in a wide variety of places.

Our main demand remains the provision and promotion of a FLINTA* taxi in Leipzig. Implementations of this model can already be found in other cities in Germany (e.g., Heidelberg and Mannheim).

They work there by purchasing discounted tickets (approx. 6 euros for a ride). To make FLINTA* taxis usable for as many people as possible in Leipzig, it is necessary that rides are financially subsidised by the city.

It remains important that inequality relations are not further reproduced and that the FLINTA* get home safely and quickly.

For the FLINTA* taxi to offer a way out of the precarious situation for all FLINTA*, further demands are linked to this demand.

  1. We consider it necessary that the drivers of the taxis are also FLINTA* persons, as statistically they represent a significantly lower danger.
  2. taxis can only guarantee a safe space if drivers do not check their ID or read their gender. Trans*, inter*, non-binary and agender persons must neither be excluded nor forced to justify their gender identity.

The FLINTA* taxi must not become a breeding ground for further experiences of discrimination and/or assault.

Our demands show quite clearly: to solve social problems, the police are often not the solution. We prefer to resort to urban planning, social expansion instead of repression.

Past events show that for marginalised groups, such as LGBTQIA and/or BIPoC, relying on the police is not an option.

Thus, it is not a focal point that ensures “safety” for all, but one that violently controls the daily lives of those marginalised.

It stands for the maintenance of existing structures, which are characterised by racist, oppressive mechanisms and thus criminalise entire groups of people. This is evident in the form of deportations, racial profiling, and indiscriminate identity checks. In the police’s treatment of BIPoC (Black, Indigenous, People of Colour), homeless people, sex workers, anti-fascists, environmental activists, disabled people, and people in mental crises.

We stand in solidarity with all activists, groups and individuals affected by police repression.

We demand an end to all police violence!

We demand more social and solidarity-based solutions that mean the safety of all*. Total social solutions without the use of police!

We do not want to close our speech with justified anger against the police, but with remembrance of those who suffer from their violence every day. In memory of all those who have fallen victim to it.

We do not forget you!

5. linxxnet widmet sich dem Spannungsverhältnis von Reform und AbolishThePolice, anknüpfend an ihre Kampagne stillnotlovingpolice.

Wer in Deutschland die Polizei kritisiert, braucht ein dickes Fell und optional guten Rechtsbeistand: ein Befund, der sich trotz aller Skandale der letzten Jahre ungebrochener Aktualität erfreut. Selbst, als vor anderthalb Jahren im Zuge der großen Black-Lives-Matter-Demonstrationen die Diskussion über rassistische Strukturen innerhalb der deutschen Polizei so ergebnisoffen wie selten zuvor schien, war die öffentliche Debatte doch immer geprägt von geradezu grotesken Annahmen über das Verhältnis von Polizei und Gesellschaft und die wünschenswerte Rolle der Polizei im lebensweltlichen Alltag der von ihr kontrollierten Menschen.

Deutsche Verhältnisse – Polizeisupport von links

Als die SPD-Co-Vorsitzende Saskia Esken den deutschen Sicherheitsbehörden im Juni 2020 einen „latenten Rassismus“ attestierte – eine Einschätzung, die zweifelsohne für die deutsche Mehrheitsgesellschaft so treffend ist, wie sie selbstverständlich auch für die Polizei gilt – schlug ihr quer durch alle Bundestagsparteien harscher Widerspruch entgegen.

An diesem parteiübergreifenden Abwehrreflex selbst gegen vorsichtigste Polizeikritik zeigt sich deutlich, dass die Polizei in Deutschland einerseits als unfehlbar, andererseits als stetig wehrloser werdendes Opfer inszeniert wird, welches gesellschaftlicher Solidarität bedürfe. Diese Stilisierung der Polizei führt dazu, dass jede fundierte Kritik außerhalb des demokratischen Diskurses gestellt wird. Umso mehr sollte sich eine progressive Linke einer solchen Einengung des Diskurses selbstbewusst entgegenstellen. Nicht hilfreich ist es jedenfalls, konservative Geiferer zu unterstützen, welche einzig das Ziel verfolgen, eine kritische Haltung gegenüber polizeilichem Handeln mit einer staats- und demokratiefeindlichen Haltung gleichzusetzen.

Nicht zuletzt geht es um die Frage, ob die Polizei eine Akteurin sein soll, die qua starker Stellung demokratischer Kontrolle weitestgehend entzogen bleibt, aber gesellschaftlich tonangebend und definitionsmächtig ist. Letztlich also darum, ob eine Linke es zulassen will, dass die Gesellschaft ordnungspolitisch überformt wird. Wir meinen: Nein.

Die Polizei Sachsen als politische Influencerin

In tagtäglicher Regelmäßigkeit findet fragwürdiges polizeiliches Handeln in Sachsen seinen Weg in die unterschiedlichen Medien des Landes, wo dieses inzwischen häufig nur noch gleichgültig als makabrer running gag aufgenommen wird. Mehr als in jedem anderen Bundesland zeichnet sich die CDU-geführte sächsische Innenpolitik durch eine Untätigkeit gegenüber rechten Strukturen in der Gesellschaft und Fehlverhalten der Polizei aus, während gleichzeitig eine fast schon skurrile Dämonisierung linker Zivilgesellschaft, zumeist reduziert auf das omnipräsente Schlagwort „Connewitz“, betrieben wird. Beispiele gibt es viele: Silvester 19/20, Umgang mit Gegenprotest im Kontext der Leerdenker, oder das Aufbauschen der Polizeilichen Kriminalitätsstatistik PMK Links.

Das Renommee der Polizei in der breiten Medienlandschaft als „privilegierte Quelle“ hat dadurch freilich keinen Schaden genommen. Auch weiterhin kann die Polizei in ihrer Funktion de facto „Realität setzen“, solange sich ihre Perspektive häufig medial als „faktische Wahrheit“ wiederfinden wird. Das Anzweifeln polizeilicher Stellungnahmen erscheint dagegen stets dubios, während auch in juristischen Kontexten die Aussagen von Polizist:innen als besonders glaubwürdig gelten. Der Grund dafür: Die über alle Parteigrenzen hinweg betriebene Stilisierung der Polizei als rechtschaffene Märtyrerin, der mit Solidarität und Respekt begegnet werden müsse.

Die Polizei als präventives Überwachungsorgan

Neue Polizeigesetze, die eine Militarisierung und weitere massive Kompetenzerweiterungen der Polizei flankieren, sind innerhalb der vergangenen Jahre in vielen Bundesländern beschlossen worden, so auch in Sachsen. Hierdurch sind präventive Eingriffskompetenzen im Sinne der so genannten „Gefahrenabwehr“, deren Ausmaß bereits seit Ende des vergangenen Jahrhunderts stetig zugenommen hatte, nochmals massiv erweitert worden. Dabei ist klar: Wo die Polizei aus rein präventiven Gründen mehr Präsenz zeigt, wird sie auch mehr Kriminalität feststellen, die wiederum zu mehr Polizeipräsenz führt, welche in Reaktion auf die verstärkte Polizeipräsenz wiederum Resonanzstraftaten befördert.

„Gefährliche Orte“ und Waffenverbotszonen sorgen dafür, dass rassifizierte Menschen im Alltag stetige Einschüchterung und Kontrolle erfahren oder wohnungslose, deklassierte Menschen von bestimmten Orten vertrieben und schikaniert werden. Die Polizei hat einen großen Anteil an der Konstruktion von Sicherheitsrealitäten, und sie erschafft als quasi unumstrittene Debattenteilnehmerin eigenwillige Widersprüche: Wenn die Polizei einmal Orte als kriminell markiert hat, gilt es als Erfolg, wenn dort nichts passiert, weil die Polizei dies ja verhindere. Wenn dort etwas passiert, ist es trotzdem ein Erfolg, weil es die Notwendigkeit einer Dauerpräsenz der Polizei schließlich beweise. Am Ende ist es auf der migrantisch geprägten Leipziger Eisenbahnstraße, am Hauptbahnhof oder im linksalternativen Connewitz egal, was passiert, die Polizei scheint unverzichtbar und erhält unverbrüchliche Rückendeckung.

Klare Kante gegen die Generalgutgläubigkeit

Was aber tun gegen die schier unüberwindbare polizeiliche Immunität vor Kritik und Transparenz? Wie kommen wir zu einem offenen Diskurs, der eine demokratische Kontrolle der Polizei offensiv einfordert und, vor allem, endlich wirkmächtig umsetzt?

Wir als linXXnet haben uns in Leipzig für drei wesentliche Schwerpunkte entschieden: Erstens, die mediale Hegemonie der Polizei nicht hinzunehmen, sondern tendenziöse polizeiliche Kommunikation selbstbewusst und möglichst evidenzbasiert in Zweifel zu ziehen. Hilfreich dafür ist eine in Leipzig ausgeprägt investigative Medienlandschaft, die sich in vielen Fällen die Mühen selbstständiger Recherche macht und nicht ungeprüft polizeiliche Darstellungen vervielfältigt.

Ein zweiter Pfeiler ist eine enge Zusammenarbeit mit der außerparlamentarischen linken Zivilgesellschaft, deren Arbeit von parlamentarischen Ressourcen profitieren kann und die wiederum für parlamentarische Arbeit unverzichtbare Vorschläge, Organisierungspotenziale und Expert:innenwissen einbringen.

Erfolgreiche Polizeikritik heißt Organizing

Als linXXnet versuchen wir, das Thema Polizeikritik möglichst vielfältig zu bespielen, um verschiedene Milieus zu erreichen. Aus unserem Umfeld gibt es sowohl das Linksdrehende Radio, das regelmäßig lokale Multiplikator:innen zu problematischem Agieren der sächsischen Polizei interviewt, als auch die Website woeller-ruecktritt.de, eine interaktive Sammlung der Skandale um den sächsischen CDU-Innenminister Roland Wöller. Zudem haben wir als linXXnet über das gesamte Jahr 2021 hinweg eine Online-Kampagne zur Polizei unter dem Slogan „Still not loving police“ durchgeführt, um kritische Stimmen zur Polizei zu bündeln und die Kritik an der Institution Polizei wieder als demokratische Selbstverständlichkeit zu platzieren.

Zuletzt haben wir in Leipzig auch durch Diskussionsveranstaltungen den Fokus auf die Polizei gerichtet: im Dezember 2019 zu utopischen Alternativen zum staatlichen Gewaltmonopol und im vergangenen November zur Polizei als politischen Akteurin, inklusive eines Vertreters der Gewerkschaft der Polizei (GdP) auf dem Podium – denn natürlich sollte auch der Dialog zumindest mit reflektierten Vertreter:innen der Polizei fester Bestandteil einer linken Positionsfindung sein.

Sicherheit ohne Polizei

Wir dürfen niemals vergessen, dass der Polizei seit ihrer Etablierung die Rolle zukam, die Herrschaft der besitzenden Klassen zu zementieren und die Besitzlosen zu disziplinieren. Im Lichte dieser Kernaufgabe stellt sich die Frage, inwieweit bloße Reformen der Polizei überhaupt dazu in der Lage sind, uns einer diskriminierungsfreien Organisation von Sicherheit näherzubringen.

Egal unter welchen gesellschaftlichen Bedingungen: Unser Ziel sollte es sein, dass soziale und gesellschaftliche Konflikte grundsätzlich durch die Zivilgesellschaft selbst und nicht ordnungs- und sicherheitspolitisch gelöst werden. Nur wir selbst können Vorschläge dafür entwickeln, solidarische und gewaltlose Möglichkeiten der Gewährleistung kollektiver Sicherheit praktisch zu ermöglichen, anstatt auch in Regierungsbündnissen mit linker Beteiligung ideenlos reaktionäre Sicherheitskonzepte fortzuschreiben. Es ist höchste Zeit, endlich damit anzufangen.

English

Anyone who criticizes the police in Germany needs a thick skin and optionally good legal counsel: a finding that enjoys unbroken topicality despite all the scandals of recent years. Even when a year and a half ago, in the wake of the large Black Lives Matter demonstrations, the discussion about racist structures within the German police seemed more open-ended than ever before, the public debate was still characterized by almost grotesque assumptions about the relationship between the police and society and the desirable role of the police in the everyday lives of the people they control.

German conditions – police support from the left

When SPD co-chair Saskia Esken attested to “latent racism” on the part of the German security authorities in June 2020 – an assessment that is undoubtedly as accurate for the German majority society as it is, of course, for the police – she was met with harsh opposition across all Bundestag parties.

This cross-party defensive reflex against even the most cautious criticism of the police clearly shows that the police in Germany are staged on the one hand as infallible, and on the other hand as an increasingly defenseless victim in need of social solidarity. This stylization of the police leads to any well-founded criticism being placed outside the democratic discourse. All the more reason for a progressive left to self-confidently oppose such a narrowing of the discourse. In any case, it is not helpful to support conservative sycophants whose sole aim is to equate a critical attitude toward police action with an attitude hostile to the state and democracy.

Last but not least, it is a question of whether the police should be an actor that is largely removed from democratic control because of its strong position, but which sets the tone in society and has the power to define it. Ultimately, then, it is a question of whether a left is willing to allow society to be reshaped in terms of regulatory policy. In our opinion: No.

The Saxony Police as a Political Influencer

With daily regularity, questionable police actions in Saxony find their way into the state’s various media, where they are now often taken up only indifferently as macabre running gags. More than in any other federal state, Saxony’s CDU-led domestic policy is characterized by inaction toward right-wing structures in society and police misconduct, while at the same time an almost bizarre demonization of left-wing civil society, mostly reduced to the omnipresent buzzword “Connewitz,” is pursued. There are many examples: New Year’s Eve 19/20, dealing with counter-protest in the context of the Leerdenker, or the puffing up of police crime statistics PMK Links.

The reputation of the police in the broad media landscape as a “privileged source” has certainly not been damaged by this. The police can continue to “set reality” de facto in their function, as long as their perspective is often reflected in the media as “factual truth”. Doubting police statements, on the other hand, always seems dubious, while even in legal contexts the statements of police officers are considered particularly credible. The reason for this is the stylization of the police as righteous martyrs who must be treated with solidarity and respect.

The police as a preventive surveillance organ

New police laws flanking militarization and further massive expansion of police powers have been passed in many German states in recent years, including Saxony. As a result, preventive intervention powers in the sense of so-called “danger prevention”, the extent of which had already been steadily increasing since the end of the last century, have once again been massively expanded. In this context, it is clear that where the police show more presence for purely preventive reasons, they will also detect more crime, which in turn leads to more police presence, which in turn promotes resonance crimes in response to the increased police presence.

“Dangerous places” and no-gun zones ensure that racialized people experience constant intimidation and control in their daily lives, or homeless, declassed people are driven away from certain places and harassed. The police play a large part in the construction of security realities, and as a quasi-controversial participant in the debate, they create idiosyncratic contradictions: once the police have marked places as criminal, it is considered a success if nothing happens there because, after all, the police prevent it.

If something happens there, it is still a success, because it finally proves the necessity of a permanent police presence. In the end, it doesn’t matter what happens on Leipzig’s migrant-influenced Eisenbahnstraße, at the main train station or in left-wing alternative Connewitz, the police seem indispensable and receive unwavering backing.

A Clear Edge against the General Good Faith

But what can be done against the almost insurmountable police immunity from criticism and transparency? How do we get to an open discourse, which demands a democratic control of the police offensively and, above all, finally implements it effectively?

As linXXnet, we have decided on three essential focal points in Leipzig: First, not to accept the media hegemony of the police, but to question tendentious police communication in a self-confident and, if possible, evidence-based manner. This is aided by a highly investigative media landscape in Leipzig, which in many cases takes the trouble to conduct its own research and does not duplicate police reports without checking them.

A second pillar is close cooperation with extra-parliamentary left-wing civil society, whose work can benefit from parliamentary resources and who, in turn, contribute suggestions, organizing potential and expert knowledge that are indispensable for parliamentary work.

Successful police criticism means organizing

As linXXnet, we try to address the issue of police criticism in as many ways as possible in order to reach different milieus. From our environment, there is both the left-turning radio, which regularly interviews local multipliers about problematic actions of the Saxon police, and the website woeller-ruecktritt.de, an interactive collection of the scandals surrounding the Saxon CDU Minister of the Interior Roland Wöller. In addition, as linXXnet, we conducted an online campaign on the police throughout 2021 under the slogan “Still not loving police” in order to bundle critical voices on the police and to place criticism of the institution of the police once again as a democratic matter of course.

Most recently, we have also focused on the police through discussion events in Leipzig: in December 2019 on utopian alternatives to the state monopoly on the use of force and last November on the police as a political actor, including a representative of the police union (GdP) on the podium – because of course the dialogue at least with reflected representatives of the police should be an integral part of a left position finding.

Security without police

We must never forget that since its establishment, the role of the police has been to cement the rule of the propertied classes and to discipline the dispossessed. In light of this core mission, the question arises to what extent mere reforms of the police are even capable of bringing us closer to a non-discriminatory organization of security.

No matter what the social conditions: Our goal should be to ensure that social and societal conflicts are fundamentally resolved by civil society itself and not by order and security policy. Only we ourselves can develop proposals for practically enabling solidarity-based and non-violent ways of guaranteeing collective security, instead of unimaginatively perpetuating reactionary security concepts, even in government alliances with left-wing participation. It is high time to finally start doing so.

6. Soli Antifa Ost Bündnis hat ein Grußwort zum Tag der politischen Gefangenen am 18. März

Solidarische Grüße des Soli Antifa Ost Bündnis an alle Gefangenen!

Unsere Freundin und Genossin Lina sitzt seit November 2020, also seit fast anderthalb Jahren in Untersuchungshaft in der JVA Chemnitz.
Sie ist eine von mindestens zehn Beschuldigten im Antifa Ost-Verfahren. Ihnen wird vorgeworfen, Faschisten in Ostdeutschland angegriffen zu haben. Aus diesen Angriffen wurde eine kriminelle Vereinigung nach § 129 konstruiert.
Das Konstrukt basiert auf diversen Indizien und vor allem Interpretationen der Bundesanwaltschaft. Die Ermittlungen wurden vornehmlich von der Soko LinX in Sachsen geführt, die seit 2019, also seit ihrer Einführung als Wahlkampfinstrument durch die CDU, keine Erfolge liefern konnte.
Nachdem im Dezember 2019 einige jetzt Beschuldigte im thüringischen Eisenach verhaftet wurden, witterte die Soko LinX ihre Chance, übernahm die Ermittlungen und versucht seither den Personen weitere Taten in Sachsen zuzuordnen. Dabei spinnt sie ein Netz wirrer Anschuldigungen und erweitert den Kreis der Beschuldigten mithilfe sehr freier Auslegungen von Indizien.
Die Bundesanwaltschaft hat das Verfahren schließlich übernommen und um die eigene Zuständigkeit zu rechtfertigen, eine Nähe zum Terrorismus herbei halluziniert. So sollen die Beschuldigten die demokratische Meinungsbildung durch die vorgeworfenen Angriffe auf Nazikader in Gefahr gebracht haben.

Seit September 2021 läuft nun der Prozess gegen vier der Beschuldigten am Oberlandesgericht Dresden. Vier weitere Beschuldigte wurden an die Generalstaatsanwaltschaft Gera abgegeben und gegen weitere wird noch ermittelt. Kürzlich fanden in diesem Rahmen erneut Hausdurchsuchungen in Leipzig statt.
Der Prozess wird öffentlichkeitswirksam in einem Hochsicherheitssaal geführt und Lina zweimal wöchentlich in einem bewaffneten Konvoi zum Gericht gefahren.
Übermorgen sitzt Lina 500 Tage in Haft und im Saal wird noch ihr Kontakt zu anderen Angeklagten und Zuschauenden weitgehend unterbunden. Damit nicht genug, sie wird in allen Unterbrechungen in einen Kellerraum gebracht und stets von Vollzugsbeamt:innen begleitet und bewacht.
Die Begründung für ihre Haft und diese Behandlung ist weit hergeholt und ebenso konstruiert, wie die gesamte Vereinigung. Sie wird zur Anführerin und Kommandogeberin stilisiert und so eine Gefährlichkeit konstruiert, die eine Haft rechtfertigen soll. Da fast jeder Angriff auf Nazis, bei dem angeblich eine Frau beteiligt war, ihr zur Last gelegt wird, wird eine sehr hohe Haftstrafe in Aussicht gestellt.
Die sexistische Ermittlungsarbeit jedoch weist darauf hin, dass sie eigentlich nur ihrem Partner gefolgt sei, welcher sie radikalisiert habe. Auf dieses Bild und die Rollenzuschreibung berufen sich Medien bundesweit und reproduzieren eine Darstellung einer Studentin, welche durch einen Mann zur Terroristin wurde. Dabei werden Vergleiche mit der tatsächlichen Terroristin Beate Zschäpe, welche mit der Nazigruppierung NSU rassistische Morde verübte und die in derselben JVA sitzt wie Lina, genutzt, um die Extremismustheorie zu verteidigen und eine derart schlecht erdachte Anklage zu legitimieren.
Die Haftbedingungen sind unter anderem dadurch erschwert, dass Lina und Zschäpe sich nicht begegnen sollen, was eine so schon winzige Bewegungsfreiheit im Knast weiter einschränkt. Durch die Anklage der höchsten juristischen Instanz wird die Post neben der Kontrolle in der JVA an Karlsruhe weitergeleitet, erneut gelesen und mit entsprechender Verzögerung und unvollständig ausgehändigt. Die regelmäßigen Fahrten nach Dresden sind zeit- und kraftaufwändig und erschweren Bindungsversuche zu anderen Gefangenen.
Die gesundheitliche Versorgung im Knast ist grundsätzlich unterirdisch und wird in Lina‘s Fall nicht nur verschleppt, sondern auch durch Vorführungen bei Ärzt:innen in Handschellen und unter bewaffneter Begleitung zu einer Tortur.
All diese Maßnahmen dienen der Darstellung der Gefährlichkeit der Angeklagten, die sich so selbst legitimieren soll.

In dem aktuell stattfindenden Prozess wird der Verurteilungswille durch den vorsitzenden Richter und die Bundesanwaltschaft sehr deutlich. Sie versuchen mit tendenziösen Befragungen und blindem Vertrauen in die ermittelnden Beamt:innen ihr Konstrukt als belegt zu betrachten. Im Nachfolgestaat des Nationalsozialismus wird die Vorfolgung von Antifaschismus zum Staatsakt und an den Angeklagten in Dresden soll das Exempel statuiert werden. Der Staat will die emanzipatorische Bewegung abschrecken und seine Macht unter Beweis stellen!

Sollte dieses Verfahren für den Staat erfolgreich geführt werden, werden nicht nur die weiteren Angeklagten und Beschuldigten mitunter lange Haftstrafen antreten müssen, sondern es würde ein Grundstein gelegt werden, um mithilfe des Paragraphen 129 jede Art des Widerstands in ein solches Konstrukt zu pressen und hart zu bestrafen. Allein im Jahr 2020 wurden in der BRD vier Verfahren nach § 129 und 129a gegen linke, antiautoritäre, antifaschistische, emanzipatorische Menschen und Gruppen bekannt. Vor allem in Süddeutschland wurden in den letzten zwei Jahren mehrere Haftstrafen gegen Personen verhängt, die sich gegen Nazis oder die Staatsgewalt zur Wehr gesetzt haben und neue Polizeigesetze wurden auf den Weg gebracht, die den Ermittelnden umfassende Freiheiten einräumen und die Privatsphäre und Handlungsfreiheit von Menschen massiv einschränken.

All diese Verschärfungen und Repressionsschläge dienen der Einschüchterung und Spaltung der Bewegung. Der Knast als Instrument der Isolation und Individualisierung von Genoss:innen wird wieder mehr genutzt, um uns abzuschrecken. Doch die Gefangenen sind nicht allein. Wir stehen hinter ihnen stellen unsere Solidarität gegen ihre Versuche der Isolation.

Getroffen hat es Einige – Gemeint sind wir alle! Gegen eine Gesellschaft der Knäste!

English

Solidar greetings from Soli-Antifa-East-Alliance to all prisoneers!

Our friend and comrade Lina has been in pretrial detention at the JVA Chemnitz since November of 2020, almost one and a half years. She is one of the (at least) ten accused in the Antifa Ost trials. They are accused of having attacked fascist in east Germany. These attacks have been used to construe the existence of a criminal organisation according to § 129 StGB. The construct of this criminal organisation is based on circumstantial evidence and, mainly, free interpretations by the Federal Prosecutor’s Office. The investigations were primarily conducted by the Soko LinX in Saxony, which was introduced as an election campaign tool by the CDU-Party. It has not been able to deliver any successes since 2019.

After some of those now accused were arrested in Eisenach, Thuringia, in December 2019, Soko LinX sensed its chance, took over the investigations and has since been trying to assign further acts in Saxony to the individuals. In the process, it has spun a web of confused accusations and expanded the circle of suspects with the help of very free interpretations of circumstantial evidence. The Federal Prosecutor’s Office eventually took charge of the proceedings and has, in an act of self- justification, hallucinated a proximity to terrorism. Thus, the defendants and their alleged attacks on Nazi cadres are said to have endangered the democratic formation of opinion.

Since September 2021, four of the defendents have been on trial at the Dresden Higher Regional Court. Four more defendants have been handed over to the Gera General Prosecutor’s Office and others are still under investigation. Recently, house searches were again carried out in Leipzig in this context. The trial is being held in a high-security room with a high public profile, and Lina is driven to court twice a week in an armed convoy. The day after tomorrow, Lina will have been in custody for 500 days. Her contact with other defendants and spectators is largely prevented in the courtroom. As if that were not enough, she is taken to a room in the basement for the breaks, always accompanied and guarded by law enforcement officers.

The given reason for her detention and this treatment is far-fetched and just as contrived as the entire association. She is stylized as the leader, and thus a danger is constructed that is supposed to justify detention. Since almost every attack on Nazis in which a woman was allegedly involved is being pinned on her, the prospect of a very long prison sentence is held out. The sexist investigative work, however, points out that she was actually following and radicalized by her partner. Nationwide, the media invoke this image and role attribution and reproduce a portrayal of a female student who became a terrorist because of a man. Comparisons with the actual terrorist Beate Zschäpe, who committed racist murders with the Nazi group “NSU” and who is in the same prison as Lina, are used to defend the theory of extremism and to legitimize such an ill-conceived charge.

Prison conditions are complicated, among other things, by the fact that Lina and Zschäpe are not supposed to meet, which further restricts an already tiny freedom of movement in prison. As a result of the indictment of the highest legal authority, her mail is forwarded to Karlsruhe, on top of the JVA controls, where it is read again before being handed over correspondingly delayed and incomplete. The regular journeys to Dresden are time-consuming, energy-consuming, and make it difficult to form bonds with other prisoners.

The health care in prison is basically non-existent and in Lina’s case is not only been dragged out, but also becomes an ordeal because doctors’ visits are conducted in handcuffs and under armed escort. All these measures serve to demonstrate the dangerousness of the accused, who is thus supposed to legitimize herself.

In the current trial, the presiding judge and the federal prosecutor’s office are making their intent to condemn very clear. With biased questioning and blind trust in the investigating officials, they try to consider their construct as proven. In the successor state of National Socialism, the prosecution of anti-fascism becomes an act of state and the defendants in Dresden are to be made an example of. The state wants to deter any emancipatory movement and to prove its power!

Should this trial be successful for the state, not only may the further defendants and accused have to face long prison sentences, but a foundation stone would be laid to press with the help of § 129 every kind of resistance into such a construct and to punish it severely. In the year 2020 alone, four proceedings under Section 129 and 129a against left-wing, anti-authoritarian, anti-fascist, emancipatory individuals and groups became known in the FRG. Especially in southern Germany, several prison sentences have been imposed in the last two years on people who have resisted Nazis or state violence, and new police laws have been introduced that grant investigators extensive freedoms and massively restrict people’s privacy and freedom of action.

All these tightening and repressive blows serve to intimidate and divide the movement. Prison, as an instrument of isolation and individualization of comrades, is again being used more and more to deter us. But the prisoners are not alone. We stand behind them and pit our solidarity against their attempts of isolation.

When some are affected – we are all affected! Against a society of prisons!

7. Copwatch zu strukturellen Ursachen von Polizeigewalt und Death in Custody (den Toden im Polizeigewahrsam)

Willkommen zum Internationalen Tag gegen Polizeigewalt

Hallo Leute, schön dass ihr heute gekommen seid um mit uns, am internationalen Tag gegen Polizeigewalt, zu protestieren.

Täglich erleben wir Schikanen und Willkür seitens der Polizei in unseren Vierteln und unserer Nachbar:innenschaft. Während die Beamt:innen sich auf Demonstrationen und in Polizeikontrollen immer wieder eskalieren und Gewalt anwenden, werden Menschen, die versuchen sich gegen die erfahrene Gewalt zu wehren von der Justiz allein gelassen, kriminalisiert oder existenziell bedroht.

Vergangenes Jahr wurde die Verordnung der Waffenverbotszone rund um die Eisenbahnstraße offiziell für rechtswidrig erklärt. Seitdem diskutierte die Stadt Leipzig zusammen mit der Polizei Pläne, wie eine sogenannte “Bürgerpolizei” im Leipziger Osten etabliert werden kann. Anstatt sich also mit diskriminierenden und rassistischen Verhalten der Polizei auseinanderzusetzen und daraufhin Projekte im Kiez zu fördern, welche für soziale Sicherheit sorgen, setzt die Stadt Leipzig zusammen mit der Polizei auf ihr altes Prinzip. Dieses lautet bestreifen, kontrollieren, strafen!

Öffentliche Räume werden so weiter für alle Menschen unsicher und unzugänglich gemacht, die nicht in die Fantasie der Polizei und der deutschen Mehrheitsgesellschaft vom bürgerlichen, weißen Deutschen passen. Probleme wie Rassismus, Faschismus, Antisemitismus, Sexismus und Klassismus werden weiter ignoriert. 

Ereignisse wie die jüngsten Hausdurchsuchungen in Connewitz und das andauernde Verfahren gegen Lina E zeigen zudem, wo nach wie vor der Ermittlungsschwerpunkt der deutschen Polizei liegt. Nämlich oftmals bei eben jenen, die versuchen gegen den rassistischen und in Teilen faschistischen Normalzustand in der deutschen Gesellschaft aktiv zu werden. Immer wieder werden linke Aktivist:innen mit Repressionen überzogen und weggesperrt während die Polizei nicht nur auf dem rechten Auge blind ist, sondern oft genug selbst stark an rechten und neonazistischen Strukturen beteiligt ist. Dies zeigte sich auch zuletzt im Auftakt des NSU 2.0 Prozesses, in welchem Polizist:innen aus Hessen personenbezogene Daten aus Polizeicomputern weitergaben und es somit ermöglichten, dass der Täter eine Reihe rassistischer und menschenverachtender Drohmails an seine Opfer schicken konnte.

Die letzte Eskalationsstufe dieser Gewalt ist der Tod von Menschen in Polizeigewahrsam oder durch Polizeigewalt.

Seit 1990 starben mindestens 200 Menschen in Polizeigewahrsam oder an den Folgen von Gewalt durch die Polizei. Sie wurden erschlagen, gefoltert, erschossen oder in den Suizid getrieben. Polizeiunabhängige Ermittlungen gegen die Täter:innen fanden nicht statt und nicht selten rechtfertigte die Polizei im Nachhinein ihr Handeln mit der vermeintlichen Gefährlichkeit der Betroffenen und beging somit eine klassische Täter/Opfer-Umkehr. Auch hier sind die Opfer oftmals von Rassismus betroffen, arm oder in psychischen Krisen. Also wieder all diejenigen, die von der deutschen Mehrheitsgesellschaft tägliche Ausgrenzung und Diskriminierung erfahren.

Der Tod von Menschen in Polizeigewahrsam zeigt nicht nur wie tief rassistische und menschenverachtende Ideologien in der Polizei verankert sind, sondern zeigen auch das es der Staat nicht schafft alle Bürger:innen in gleichen Maßen vor Gewalt zu schützen. Darüber hinaus zeigen Ermittlungen und die nicht Vorhandenen Konsequenzen gegen die Täter:innen, dass es von staatlicher Seite keinen Willen zur Aufklärung ebendieser Fälle gibt. 

Aus diesem Grund möchten wir den diesjährigen Internationalen Tag gegen Polizeigewalt insbesondere denjenigen widmen, welche die Auseinandersetzung mit den Tätern in Uniform nicht überlebt haben. Allein 2021 starben 7 Menschen in Polizeigewahrsam. Wir vergessen sie nicht! Wir erinnern an sie und fordern nach wie vor Aufklärung der Fälle und eine Gesellschaft, welche den Tod von Menschen durch die Polizei nicht länger mehr hinnimmt. 

Ihre Namen waren: 

     Qosay Sadam Khalaf

     Sivan

     Omar K.

     Abdul I.

     Kamal Ibrahim

     Elias H.

     und Giorgos Zantiotis.

Für ein solidarisches Miteinander ohne Überwachung und Repression durch die Polizei. Wir wünschen euch noch eine gute Veranstaltung! Kommt gerne an unseren Infostand um euch darüber zu informieren, wie auch ihr euch gegen diskriminierende Polizeipraxis wehren könnt!

English

Hello, we’re glad you came to protest with us today on the international day against police violence.

Every day our communities and neighborhoods suffer under the harassment and the arbitrary manner of the police. While police officers escalate and resort to violence in police controls or at protests, people who are trying to fight back against their experienced injustice are being criminalized, existentially endangered and left alone by the jurisdiction.

Last year the enactment of the so called “Waffenverbotszone” around Eisenbahnstraße was declared illegitimate. Since then, the city of Leipzig and the Police are discussing how to establish a so called “Bürgerpolizei”, instead of dealing with the discriminating and racist behavior on the part of the police and supporting projects in our neighborhoods, that (could) provide social security. Therefore, they are resorting to their old principles: Patroling, controlling, punishing!

Problems like racism, fascism, antisemitism, sexism and classism are being ignored and upheld by the Police´s and German mainstream society´s Ideologies. In consequence, public spaces are being made unsafe and inaccessible for people, that don’t fit the category of middle-class, white Germans.

Incidents like the latest house searches in Connewitz and the ongoing trial against Lina E also reveal the focus of investigations initiated by the German police. The focal point are people, who are trying to disrupt the racist and partly fascist “normality” of German society. Again and Again leftist activists are facing repression and being locked up, while Police isn´t only ignorant of right-winged and neonazi- structures and crimes but also strongly imbedded in said structures. This was recently shown in the NSU 2.0 trials, where police officers shared personal data stored in police computers and therefor enabled a perpetrator to send a series of racist and inhuman threats via mail to those affected by the leak.

The most extreme escalation of Police violence is people´s death in custody or by police force. Since 1990 at least 200 people have died in custody or from the consequences of expierenced police violence. They were beaten, tortured, shot or driven into suicide. Investigations which are independent from the Police against the perpetrators have never been conducted and not rarely, the Police are justifying their actions by pointing out the alleged danger of the victim, therefor carrying out a classic reversal of the perpetrator(s) and the victim(s). Again, these victims are often affected by racism, poor or in psychological crisis, making them face daily discrimination and marginalization by Germany´s mainstream society.

The death of people in police custody doesn´t only show, how deeply racist and inhuman Ideologies are imbedded into the Police, but also, that the state doesn´t protect every citizen in the same manner. More so, Investigations and the lack of consequences for the perpetrators show, that there´s no governmental interest on resolving these cases. For that reason we want to dedicate this years international day against police violence to the ones, that didn´t survive the violence of the perpetrators in uniform. In 2021 alone, seven people died in police custody. We won´t forget them! We´re remembering them and we´re demanding clearance of the cases and a society, that doesn´t longer tolerate the death/murder of people by the police.

Let us remember their names:

Qosay Sadam Khalaf

Sivan

Omar K.

Abdul I.

Kamal Ibrahim

Elias H.

And Giorgos Zantiotis.

For a solidary community without the Police´s surveillance and repression.

Feel free to come over to our info-desk to inform yourself on how to fight back against discriminating police praxis.

Strukturelle Ursachen von Polizeigewalt und Polizeiprobleme

Das Ausmaß rechter und neonazistischer Umtriebe innerhalb der deutschen Polizei und anderer Sicherheitsbehörde ist riesig. Kaum eine Woche vergeht ohne Meldungen über solche Vorfälle. Diese reichen von Chatgruppen, in denen rassistische und menschenverachtende Inhalte geteilt werden, bis hin zu täglichen Racial Profiling oder sogar zu Morden an oftmals Schwarzen oder People of Colour in Polizeigewahrsam.

In Leipzig zeigte sich die rassistische Praxis der Polizei in der sogenannten „Waffenverbotszone“ rund um die migrantisch- proletarisch geprägte Eisenbahnstraße im Leipziger Osten. Hier mussten sich 2 Jahre lang Anwohner*innen von der Polizei schikanieren lassen, die nicht in das allgemeine Polizeibild von einer „sauberen, deutschen“ Stadt passen.

Unter fadenscheinigen Begründungen, die sich meistens auf angeblich „kriminalistische Erfahrungen“ der Polizist:innen stützten, wurden in diesem Gebiet besonders als nicht- deutsch wahrgenommene, linke und prekarisierte Menschen anlasslos kontrolliert, durchsucht, beleidigt oder misshandelt. Dieses Verhalten verstärkte sich besonders durch die Ausgangsbeschränkungen der Corona- Verordnungen, welche der Polizei weitere Eingriffsgrundlagen eröffneten. Ein Beispiel dafür war die Auflösung eines Fußballspieles einer Gruppe Jugendlicher im Park Rabet. Bei der Auflösung kam es zu massiver verbaler und physischer Gewalt die sich sowohl gegen die Jugendlichen richtete, als auch gegen Anwohner:innen welche versuchten die Jugendlichen vor den prügelnden Beamt:innen zu schützen.

Auch wenn die sogenannte Waffenverbotszone faktisch abgeschafft wurde, hält die rassistische, klassistische und überwachende Polizeipraxis im Leipziger Osten an. Immernoch kommt es zu Übergriffen Seitens der Polizei. Geändert hat sich nicht viel, außer dass seit längerer Zeit immer mehr Anwohner:innen in diskriminierenden Polizeikontrollen eingreifen und kritisch begleiten. An dieser Stelle bedanken wir uns bei den Nachbarinnen und Nachbarn des Leipziger Ostens für ihr solidarisches Auftreten!

Menschen, die der ständigen Aggressionen der Polizei ausgesetzt sind und in dieser Hinsicht schon traumatische Erfahrungen machen mussten, entwickeln nachweislich chronische Ängste. Sie trauen sich nicht mehr, sich an öffentlichen Plätzen aufzuhalten und selbst alltägliche Dinge, wie Fahrradfahren oder Spaziergänge, sind für sie meist nicht mehr möglich. Viele meiden die Region um die Eisenbahnstraße schon lange aus Angst vor Überwachung und Gewalt durch die Polizei.

Des Weiteren kommt es in Polizeigewahrsam immer wieder zu Todesfällen, die nicht aufgeklärt oder sogar vertuscht werden. Der wohl bekannteste Fall ist der Mord an Oury Jalloh, der lebendig in einer Polizeizelle verbrannte und an dessen Tod mehrere Beamt:innen beteiligt waren. 2018 starb auch Amad Ahmad an den Folgen eines Brandes in der JVA Kleve, nachdem er dort mehr als zwei Monate zu Unrecht, wegen einer Verwechslung, eingesessen hatte. Die Notrufe, die er während des Brandes über die Sprechanlage absetzte, wurden von den Wärtern nicht angenommen. Die Ermittlungen zu seinem Tod wurden im November 2019 eingestellt.

Von vielen in Gewahrsam zu Tode gekommenen kennt man nicht einmal die Namen. Lasst sie uns nicht vergessen. Auch gedenken wir Hussam Fadl, Amad Ahmad, Matiullah Jabarkhil, Rooble Warsame, William Tonou-Mbobda, Aman Alizada, Mohamed Idrissi und Ferhat Mayouf.

Gründe für die polizeilichen Übergriffe sind in den seltensten Fällen Überreaktionen einzelner Beamt:innen in konkreten Situationen. Vielmehr ist der Polizeiapparat, dem Befugnisse zur Gewaltanwendung an die Hand gegeben werden, die Bedingung dafür, dass es immer wieder zu Polizeigewalt kommt. Auch die toxisch männliche Copculture braucht die Gewalt gegen Unterlegene zur Selbstvergewisserung ihrer eigenen Autorität. 

Ein anderer Punkt ist die Sicherheit vor Konsequenzen, in der sich die gewalttätigen Beamt:innen wiegen, weil Vorgesetzte, Gerichte und Politiker:innen sich immer wieder schützend vor sie stellen. Solange es diese strukturellen Bedingungen gibt, werden immer wieder Menschen misshandelt, gefoltert und ermordet, sodass die einzige Konsequenz die Forderung nach Abschaffung der Institution Polizei sein kann. Einen Diskussionsvorschlag, wie das in Deutschland mittelfristig aussehen könnte, haben wir letztes Jahr vorgestellt.

Abolish The Police ist aber keine Forderung, die sich ohne notwendige gesellschaftliche Veränderungen vollziehen kann. Kapitalismus und Nationalstaat, als die zu schützende sog. „Sicherheit und Ordnung“ müssen daher ebenso kritisiert und überwunden werden, wie wir solidarische Mechanismen im Umgang mit Gewalt und Konflikten in unseren Communities entwickeln müssen.

Wir fordern daher, dass die Kultur der Straflosigkeit innerhalb der deutschen Polizei ein Ende findet. Alle Todesfälle müssen lückenlos aufgeklärt und die Schuldigen zu Verantwortung gezogen werden. Außerdem fordern wir die Abschaffung sogenannter „verdachtsunabhängiger“ Kontrollen an sog. „gefährlichen Orte“, um öffentliche Räume wieder für alle Menschen zugänglich zu machen. Wir brauchen soziale Sicherheit und soziale Lösungen für gesellschaftliche Probleme statt Überwachung und Schikane.

Euch rufen wir dazu auf, diskriminierendes und sonstiges rechtswidriges Verhalten der Polizei nicht widerspruchslos hinzunehmen. Wenn ihr rassistische Kontrollen beobachtet, interveniert in diese und bietet den betroffenen Personen eure Unterstützung an. Handlungsvorschläge und weitere Informationen findet ihr auf unseren Flyern, an unserem Infostand oder auf unserem Blog.

English

The extent of right-wing and Neo-Nazi activities within the German police and security department is huge. Hardly any week goes by without reports of such incidents, ranging from Chat-Groups where racist and inhuman content is shared to daily racial profiling or even murders of mostly Black people or People of Color in police custody.

In Leipzig, the racist practice of the police was very evident in the so called “Waffenverbotszone” around the migrant-proletarian Eisenbahnstraße,. For two years, people living there had to deal with the police´s harassment, because they didn´t fit into their picture of a “clean, german” city.

Often times the police would lean on alleged “criminalistic experience” while trying to legitimize their controls, searches, insults and abuse, which were based solely off of external features rather than people´s behavior, affecting people that are perceived as non-white/non-German, leftist and/or precarious in particular. These practices were amplified during the curfews induced by corona-regulations, which granted the police even more opportunities to interfere. For example, a football game played by a group of teenagers in the park Rabet resulted in massive verbal and physical violence, as the Police tried to split it up. Not only the teenagers, but also by-standing people were affected, because they tried to protect the teenagers from the raging police officers.

Even though the so called ”Waffenverbotszone” was factually abolished, the racist, classist and supervisory Police practice is still in full effect in Leipzig (east). To this day the police abuse their power, even though they´re starting to be controlled and intervened by people living in Leipzig East. We want to thank everyone for standing in solidarity, critically observing the police and their actions, intervening in racist police controls and making the police feel surveilled by us.

People who are constantly affected by the police´s aggression(s) and had to make traumatic experiences with them, often develop chronical fears. As a result, being in public spaces and even every-day-activities like riding a bike or going on a walk can feel/be impossible for them. Many people are actively avoiding the area around Eisenbahnstraße because of the fear of police surveillance and violence. Furthermore, there are plenty of cases of deaths in police custody, which are never resolved or even hushed up and kept a secret. The probably mostly known case involving multiple police officers is the murder of Oury Jalloh, who burned to death in a police cell.

In 2018, Amad Ahmad also died from the consequences of a fire breaking out in the JVA Kleve, after he had been unjustly convicted of a crime because of a confusion and had to sit in jail for two months. The emergency calls he tried to make during the fire weren´t answered from the guards. The investigations of his death have been closed in November 2019.

A lot of the names of people, who have died in custody, aren´t even known. Let us not forget them. We want to remember Hussam Fadl, Amad Ahmad, Matiullah Jabarkhil, Rooble Warsame, William Tonou-Mbobda, Aman Alizada, Mohamed Idrissi and Ferhat Mayouf.

More information regarding this subject can be found on this page: DeathinCustody.noblogs.org

Reasons for Police violence are rarely overreactions of individual officers in concrete situations. Rather, the police apparatus, which is given the authority to use violence, is the condition for police violence to occur again and again. This violence is also needed against inferiors in order to uphold the toxic masculine cop-culture and for self-assurance of their own authority.

Another point is the security from consequences, in which the violent officers are weighed in safety, because superiors, courts and politicians always protect them. As long as these structural conditions exist, people will be abused, tortured and murdered again and again, so that the only consequence can be the demand for the abolition of the police and it´s intitution. Last year, we presented a proposal for discussion on what this could look like in Germany in the medium term.

Abolish The Police is, however, not a demand that can take place without necessary social changes. Capitalism and the nation-state, as the so-called “security and order” in need of poritection, must therefore be criticized and overcome just as much as we must develop solidarity-based mechanisms for dealing with violence and conflict in our communities.

We therefore demand an end to the culture of impunity and lack of consequences within the German police. All deaths must be fully investigated, and the perpetrators must be held accountable. We also demand the abolition of so-called “suspicionless” controls at so-called “dangerous places” in order to make public spaces accessible to all people again. We need social security and social solutions for social problems instead of surveillance and harassment.

We call on you not to accept discriminatory and other illegal behavior of the police without contradiction. If you observe racist controls, intervene in them and offer your support to the affected people. You can find suggestions for action and further information on our flyers, at our information booth or on our blog.

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